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Ludwigshafen Stadtrat billigt Konzept für 1,3 Millionen Euro / Linien 4, 6 und 89 profitieren /RNV reaktiviert alte Fahrzeuge

Bahnen und Busse fahren öfter

Um das Nahverkehrsangebot nach der Sperrung der Hochstraße Süd zu verbessern, werden ab Januar mehr Bahnen und Busse eingesetzt. Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) verdichtet damit den Takt auf den rheinüberschreitenden Straßenbahnlinien 4 und 6 sowie der Buslinie 89. Zudem startet die neue Buslinie 80 (Mundenheim/BASF) bereits am 11. November – und nicht erst im Januar 2020. Die jährlichen Mehrkosten betragen 1,2 Millionen Euro, davon soll Mannheim 290 000 Euro übernehmen. Dagegen stehen erwartete Zusatzeinnahmen von 500 000 Euro. Der Stadtrat billigte einstimmig am Montag das Konzept.

Nach der Sperrung der Hochstraße Süd am 22. August seien die Fahrgastzahlen um zehn Prozent gestiegen, berichtete Stefan Prüfer von der RNV. „Aus Richtung Rheingönheim gibt es morgens keinen freien Platz mehr in der Linie 6. Auch die Bahnen aus Richtung Oggersheim sind oft voll“, so die Auswirkungen.

Flexibilität gelobt

Weil die neu bestellten Straßenbahnen erst in etwa drei Jahren geliefert werden, reaktiviert das Unternehmen fünf Fahrzeuge, die bereits ausgemustert waren und die per Kurbel gesteuert werden. „Wir müssen die Fahrer aber erst noch auf diesen Straßenbahntyp anlernen“, erläuterte Prüfer die Situation. Wegen der Zusatzfahrten stellt die RNV mehr Personal ein. „Es ist aber nicht einfach, Fahrer zu finden“, nannte er eine weitere Schwierigkeit.

Die größte Verbesserung betrifft die Straßenbahnlinie 4. Werktags sind dort künftig neun statt sieben Bahnen pro Stunde zwischen Oggersheim und dem Mannheimer Hauptbahnhof unterwegs, sagte der RNV-Vertreter. Als Linie 9 würden tagsüber nur Expresszüge mit weniger Haltestellen eingesetzt. „Bei der Linie 6 erhöht sich das Fahrgastaufkommen um 700 Plätze pro Stunde“, erklärte Prüfer weiter. Für die Buslinie 89 von der Melm nach Oppau habe man für einen 20-Minuten-Takt entscheiden, weil dies besser mit der Linie 70 harmoniere.

Christian Schreider (SPD) lobte vor allem die kurzfristigen Verbesserungen sowie der Einsatz der Expresszüge. „Hier hat die Stadt Nachholbedarf.“ Er regte einen weiteren Ausbau in Richtung Oppau an. Gerade mit Blick auf ein Jobticket bei der BASF sei dies wichtig. Zudem plädierte die SPD für eine Verbesserung des S-Bahn-Verkehrs und eine stärkere Anbindung des Hauptbahnhofs. Constanze Kraus (CDU) würdigte die große Flexibilität der RNV, die pragmatisch auf die neue Verkehrssituation reagiert und Fahrzeuge reaktiviert habe. Zugleich mahnte sie eine bessere Landesförderung für den Nahverkehr an.

Kathrin Lamm (Grüne und Piraten) forderte „Mut und Visionen“, um die Fahrgastzahlen weiter zu steigern. Bedarf sah sie für ein besseres Angebot im Abend- und Nachtverkehr. „Not macht erfinderisch“, lobte auch Thomas Schell (FDP) das Konzept. Zugleich kann er sich den Ausbau des Fährverkehrs in Altrip und eventuell auch im Stadtgebiet vorstellen. Georgios Vassiliadis (Grüne im Rat) plädierte für einen Ausbau des Nahverkehrs im Umland. Ähnliches forderte Rainer Metz (FWG) und fragte nach dem Stand der Erweiterungspläne. Laut RNV läuft eine Kosten-Nutzen-Analyse für Streckenverlängerungen nach Pfingstweide/Frankenthal, Mutterstadt und Neuhofen. „Für den Ausbau in Richtung Norden und Westen sieht es derzeit ganz gut aus, in Richtung Neuhofen ist es kritischer“, sagte Prüfer. Zugleich dämpfte er die Hoffnungen auf baldige Realisierung. „Die Umsetzung dauert Jahre. Die Pläne helfen nicht bei den aktuellen Hochstraßen-Problemen.“

Wegen der Staugefahr für die Linie 74 regte Manfred Hartinger (AfD) an, dass die Streckenführung bereits in Mundenheim am Schwanen enden soll, so dass die Fahrgäste in die Linie 6 umsteigen könnten. „Das bleibt ihnen stets unbenommen. Wegen der Schulen im Stadtteil Süd sollte die Linie 74 aber bis zum Berliner Platz bleiben“, entgegnete Prüfer. Mit der Stadt sei die RNV in Gesprächen, um eine Beschleunigung für die Busse an der Ecke Yorck-/Mundenheimer Straße zu erreichen.

Das Ausbaukonzept muss noch von Mannheim und der Aufsichtsbehörde ADD genehmigt werden. Beigeordneter Andreas Schwarz (SPD) erwartet dafür grünes Licht – und für eine grundsätzliche Verbesserung. „Ich gehe davon aus, dass der Nahverkehr nicht mehr als sogenannte freiwillige Leistung gesehen wird und dass sich das Land angemessen finanziell beteiligt.“