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Beeindruckende Katastrophen-Bilder

„Chernobyl“: Miniserie zeigt mitreißend, wie es zum Super-GAU im Atomkraftwerk in der Ukraine kam

Vor Fukushima war Tschernobyl: Noch immer gilt die Nuklearkatastrophe vom 26. April 1986 als bislang schlimmster Unfall in einem Kernkraftwerk überhaupt. Das Unglück in der Ukraine ging als erster Super-GAU (größter anzunehmender Unfall) in die Geschichte ein. Wie es zur Explosion des Reaktors und der anschließenden verheerenden Kontamination riesiger Gebiete in Osteuropa kam, erzählt nun die fünfteilige Miniserie „Chernobyl“, die von zwei TV-Giganten aus der Taufe gehoben wurde: HBO und Sky UK taten sich erstmals zusammen, um ein gemeinsames Format zu kreieren. Zu sehen ist das Ganze ab Dienstag, 14. Mai, 20.15 Uhr, auf Sky Atlantic im linearen Fernsehen und als Stream via Sky On Demand, Sky Ticket und Sky Go.

„Chernobyl“ ist die schonungslose, nahezu minutiöse Nacherzählung einer der größten Katastrophen der Menschheitsgeschichte. Und dafür haben die Macher wahrlich beeindruckende Bilder gefunden. Dabei ergötzt sich die Serie von Showrunner, Autor und Produzent Craig Mazin nicht am Elend seiner Protagonisten. Natürlich sind die katastrophalen Ereignisse detailliert in Szene gesetzt: Die Brände in ihren unwirklichen Farben, die an den kosmischen Horror eines H.P. Lovecraft („Die Farbe aus dem All“) gemahnen. Die schier unermessliche Zerstörung von Stahl, Beton und Graphit. Die freigesetzte Radioaktivität, die auf der Haut der Arbeiter und Feuerwehrleute Verbrennungen erzeugt und sie leiden und sterben lässt.

Warnung vor der Zukunft

Doch „Chernobyl“ ist nicht nur ein handwerklich perfekter Katastrophenthriller (Regie bei allen Folgen: Johan Renck). Zentral für die Sogwirkung der Handlung ist das menschliche Drama, das sich hinter den Kulissen abspielt: Jared Harris spielt Waleri Legassow, einen Experten auf dem Feld der anorganischen Chemie, der gemeinsam mit dem hochrangigen, linientreuen Militär Borys Shcherbyna (Stellan Skarsgard) den Vorfall schleunigst inspizieren und Lösungen zur Eindämmung der Katastrophe erarbeiten soll – nach anfänglicher Feindseligkeit müssen sie lernen, einander zu vertrauen. Unerwartete Hilfe bei ihrer Arbeit erhalten sie zudem von der brillanten Nuklearwissenschaftlerin Ulyana Khomyuk (Emily Watson).

Allesamt setzen sie ihre eigene Gesundheit aufs Spiel, um das Unabwendbare doch noch irgendwie zu verhindern: die Zerstörung der sowjetischen Satellitenstaaten und Ostdeutschlands aufgrund einer sich anbahnenden zweiten Explosion. Parallel dazu berührt auch das Schicksal von Lyudmilla (Jessie Buckley) und ihrem Mann Vassily (Adam Nagaitis): Der Feuerwehrmann sah sich der heftigen Strahlung während der Löscharbeiten direkt ausgesetzt. Die großen Konflikte, die ein solches Thriller-Drama dringend benötigt, beschränken sich also glücklicherweise nicht nur auf die äußeren Umstände.

Inszenatorisch und dramaturgisch ist die Miniserie eine Wucht. „Chernobyl“ hält dem Publikum den Spiegel vor, ist eine Warnung für die Zukunft und gibt sich doch nie oberlehrerhaft. Mazin vermengt auf brillante Art und Weise Historie und Gegenwart, menschliches Drama und Katastrophenthriller zu einem wahnsinnig mitreißenden, cleveren Ganzen. tsch