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Weinheim Günther Sigl, der Frontmann der Spider Murphy Gang, präsentiert sich in der Alten Druckerei in bester Spiellaune

Bei „Schickeria“ singen alle mit

Mit dem Schalk im Nacken blinzelt Günther Sigl von der Bühne herab. Der Frontmann der Spider Murphy Gang feiert solo mit seiner eigenen Band ein viel umjubeltes Konzert in der Alten Druckerei. Die Musik ist dabei das eine, die Geschichten aus dem Leben des 73-Jährigen das andere. Der Senior ist in guter Gesellschaft, denn im Saal überwiegt die Altersgruppe Ü 60, die mit der bayrischen Rock ’n’ Roll-Combo aufwuchs. Natürlich stellt Sigl vor allem seine eigenen Songs vor, aber die größten Hits seiner musikalischen Heimat dürfen nicht fehlen. Die werden von den Fans auch ganz klar erwartet. Wenn er vor der Pause die „Schickeria“ mit exzessivem Gitarren- und Piano-Solo zelebriert, kennt der Jubel keine Grenzen.

Noch größer ist der Beifall höchstens, als Rosis Nummer beschworen wird. Der „Skandal im Sperrbezirk“, bei Erscheinen des Songs 1981 wirklich einer, gehört heute zu den Dauerbrennern der Neuen Deutschen Welle und war einziger Nummer-eins-Hit der Band. 32168, RosisNummer, kennt wohl jeder, der Anfang der 1980er-Jahre aufwuchs. Wie bei der Schickeria ist aber nicht nur die in Fleisch und Blut übergegangen, sondern der komplette Liedtext, vom vollen Saal mit Inbrunst mitgesungen. Dass Sigl am Tag vor dem Konzert seinen 73. Geburtstag feierte, sieht ihm keiner an. Jugendlich, agil, zäh, mit dem bekannten bayrischen Lausbubencharme albert er auf der Bühne herum, schafft immer noch die typischen Rock ’n’ Roll-Poserfiguren. Die Musik hält jung: Der in Schongau Geborene ist das beste Beispiel dafür. Dass er die 70 überschritten hat, bemerkt man höchstens an der grau gewordenen Tolle im lichteren Haar. Günther Sigl hat mit seiner Truppe einen Riesenspaß auf der Bühne. Die fünf albern herum und nehmen sich gegenseitig auf die Schippe.

Zeitreise zu den Anfängen

Und dann gibt es auch noch die Musik. Mal italienisch angehaucht, mal tiefbayrisch, aber irgendwo immer mit dem Rock ’n’ Roll als verbindendem Element, unternimmt der Gitarrist und Sänger eine Zeitreise hin zu den Anfängen seiner Spider Murphy Gang, stellt aber auch seine erste – und einzige – Solo-Platte „Habe die Ehre“ vor. Auf der hat Sigl all das zusammengepackt, was ihm musikalisch Spaß macht und gefällt. Etwa die Huldigung an seinen Lieblingsitaliener in München, das „Ischia“, im Stück „Bella Italia“.

Nachdem er zwei Mal ausführlich die Anfahrt dorthin beschreibt, muss er einfach Prozente bekommen – anders lässt sich das nicht erklären. Für seine Hommage an Jugend, Bayern und München hat sich der 73-Jährige eine kreative Truppe mit ins Boot geholt. Am auffälligsten ist der Regensburger Schotte Willie Duncan. Er spielt Sologitarre, Lap Steel und Bass, gibt den Songs immer den eingängigen, melodiösen Sound, darf bei „Schickeria“ endlich auch einmal aus sich herausgehen und so richtig den Rocker markieren.

Wolfgang Götz an Piano, Orgel, Akkordeon und Bass ist mit seinen längeren weißen Haaren neben seiner musikalischen Leistung ebenfalls ein Blickfang. Wie er bestimmte Lieder markant mit Hammond- oder Klaviertönen unterlegt, bleibt im Gedächtnis haften.

Urgestein Dieter Radig (Snaredrum, Stompbass, Tambourin, Bongo, Backgroundgesang) ist ein alter Weggefährte Sigls. Jungspund Robert Gorzawsky am Schlagzeug komplettiert das Quintett. Der, erklärt der Bandleader, wurde eigentlich aufgenommen, damit die jungen Groupies an der Künstlergarderobe Schlange stehen. Leider bei ihm, Sigl, bislang noch ohne Erfolg, lacht er. Ob Swing-Rhythmus, etwas Boogie, ein Bluesanklang oder eben der pure Rock ’n’ Roll: Sigls Fünfer macht Laune. „Pfüati Gott, Elisabeth“ geht auch tief in die 80er zurück, als die Spider Murphy Gang ihre größten Hits hatte. Günther Sigl bietet mit seinen Mannen genau das, was das Publikum von ihm erwartet.

Bis 23 Uhr steht er auf der Bühne, kalauert vor sich hin, weiß viele kleine und größere Geschichten in einer Art zu erzählen, dass es keinem langweilig wird. tom