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Beste Freundinnen

Archivartikel

Christin Kühlborn und Dionne Visser

Der erste Ausflug in den Lorscher Wald wurde für Christin Kühlborn und Dionne Visser zu einem kleinen Abenteuer. Es dauerte, bis das Duo mittels Handy-Navigation dem „Labyrinth“ entkam – beste Freundinnen schaffen eben auch das zusammen. Gemeinsam wollen die beiden nun die Bundesliga rocken. „Ich denke, wir geben uns gegenseitig Rückhalt“, sagt Christin.

Die letzten zwei Jahre waren sie für die SG 09 Kirchhof in der Zweiten Liga unterwegs. Für Christin Kühlborn ist es das erste Mal in ihrer Laufbahn, dass sie für einen anderen Verein aufschlägt. Für Dionne Visser, die im Frühjahr in der holländischen Nationalmannschaft debütierte, ist die HSG Bensheim/Auerbach die zweite Station in Deutschland. Zusammen bilden Christin und Dionne eine Handball-Wohngemeinschaft in Lorsch. Die Aufgabenverteilung in der WG ist nicht allzu streng geregelt. Christin ist eher in der Küche unterwegs, Dionnes Stärken liegen auf anderen Gebieten. „Ich mag es nicht, wenn es unordentlich ist“, verrät die 22-jährige Holländerin.

Wohl die letzte Chance

Ihre Entscheidung, sich den Flames anzuschließen, haben sie unabhängig voneinander getroffen. Für Christin, die 26-Jährige ist seit 1994 Mitglied bei der SG Kirchhof, war es nach eigenem Dafürhalten „wahrscheinlich die letzte Chance“, den Sprung nach ganz oben zu wagen. In den vergangenen Jahren hatte sie immer wieder Anfragen aus der 1. Liga vorliegen, die sie ablehnte. Diesmal hat es für die Linksaußen „sportlich und privat“ gepasst.

Dionne Visser wollte nach zwei Durchläufen im Unterhaus den nächsten Schritt in ihrer Karriere machen. Über ihren Kontakt zu Flames-Spielerin Sarah van Gulik ließ sie die Verantwortlichen der HSG wissen, dass sie interessiert sei, sollte ein Kreisläufer-Job vakant sein in der Weststadthalle. Es wurden sogar beide Stellen am Kreis frei. Und dass Dionne im DHB-Pokalduell der Teams im Oktober 2018 zehn Tore für Kirchhof erzielte, dürfte ihrer Bewerbung nicht gerade abträglich gewesen sein. „Damals habe ich ein richtig gutes Spiel gemacht“, erinnert sie sich.

In Kirchhof war Dionne Visser Publikumsliebling. „Ich bin sehr emotional.“ Auf dem Feld lässt sie ihre Freude oder ihrer Enttäuschung freien Lauf. „Ich feiere jedes Tor und ärgere mich über jeden Fehler.“ Dass in der Ersten Liga in der besonders umkämpften Zone am Kreis, höhere Belastungen auf sie zukommen, hat sie zuletzt im Infight gegen den körperlich starken Bietigheimer Mittelblock festgestellt. „Das gab’s in der Zweiten Liga nicht“, meint sie mit aufgeplusterten Backen. „Aber man darf nie aufgeben.“ Das tat Dionne gegen Bietigheim nicht und belohnte sich nach dem Abnutzungskampf in der ersten Halbzeit mit sechs Treffern im zweiten Abschnitt.

Umstellung geschafft

Auch für Christin ist Liga eins mit neuen Herausforderungen verbunden. „Körperlich war ich immer gut dabei“, sagt sie. Diese Einschätzung geriet während der Startphase bei den Flames kurzzeitig ins Wanken. Inzwischen hat sich die Rechtshänderin an die gestiegenen körperlichen Ansprüche gerade in den Eins-gegen-Eins-Situationen in Spiel und Training gewöhnt.

Körperlich und handballerisch ist Christin auf Kurs, bisweilen kommt sie darüber ins Grübeln, ob sie ihr Potenzial komplett auf die Platte bringen kann. „Manchmal habe ich Selbstzweifel und sehe die Dinge zu pessimistisch. Daran muss ich arbeiten.“