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Weinheim Drei Häuser mit insgesamt 24 Wohnungen in der Stettiner Straße sind betroffen / Es besteht kein Duschverbot, Aushang kann aber missverstanden werden

Bewohner sind besorgt wegen Legionellen

Verunsicherung in der Stettiner Straße: Bei einer Trinkwasseruntersuchung wurde eine erhöhte Anzahl von Legionellen im Trinkwasser festgestellt. Die Bewohner in den Häusern Nummer 26, 28 und 30 wurden von der Eigentümerin der Immobilien – der Familienheim Rhein-Neckar eG – am 26. Februar mit einem Aushang darüber informiert.

Legionellen sind im Wasser lebende Bakterien. Sie können gefährlich werden. Allerdings nur dann, wenn eine sehr hohe Kontamination des Trinkwassers besteht. „Für die Kontamination mit Legionellen gilt ein Aktionswert (Wert zur Auslösung von Maßnahmen) von 100 KBE (koloniebildenden Einheiten) pro 100 Milliliter. Bei Überschreitung dieses Werts übermittelt das untersuchende Labor einen Prüfbericht ans Gesundheitsamt.“ So erklärt es der Kreis auf seiner Internetseite.

Dann hat der Eigentümer die Pflicht, das Problem zu beseitigen und – wie im Falle der Stettiner Straße geschehen – die Bewohner zu informieren. Von einer Gesundheitsgefahr für Menschen wird aber erst bei einer starken Überschreitung des Werts, nämlich ab 10 000 KBE pro 100 Milliliter Wasser ausgegangen.

Wasser kann getrunken werden

Dann wird vom Gesundheitsamt ein Duschverbot verhängt. Getrunken werden kann das Wasser aber weiterhin. Eine Infektion mit Legionellen erfolgt nämlich ausschließlich über das Einatmen des Sprühnebels, wie er beispielsweise beim Duschen entsteht. Auch dann werden aber nicht zwangsweise alle Menschen krank. Gefährdet sind von allem Ältere oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Die Belastung in der Stettiner Straße liegt weit unter den kritischen 10 000 KBE, nämlich bei 2400 KBE. Für die Mieter ergeben sich also eigentlich keine Konsequenzen. Auch ein Duschverbot besteht nicht.

Ein Bewohner hat sich nun trotzdem an die Redaktion gewandt und die Familienheim eG in mehreren Punkten kritisiert. Die Bewohner seien erst am 26. Februar und damit viel zu spät informiert worden, da die Wasserprobe bereits am 13. Februar entnommen worden war, lautet einer der Vorwürfe. Allerdings ist die Kritik nicht berechtigt. „Die Untersuchungen dauern immer etwa zwei Wochen“, sagt Silke Hartmann, Amtsleiterin im Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis. Ergo konnte die Familienheim eG gar nicht früher informieren. Der Bewohner kritisiert weiter, dass sich „seit einer Woche gar nichts tue“. Auch das stimmt so nicht. Heinz Colligs, Pressesprecher der Familienheim eG sagt: „Es wurde alle Sofortmaßnahmen ergriffen.“

Infektion erfolgt durch Einatmen

Das bedeutet: Das Warmwasser wurde auf über 70 Grad Celsius erhitzt, um die Legionellen abzutöten, außerdem wurden sämtliche Perlatoren, Brausenköpfe und Duschschläuche ausgetauscht. Letzteres sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, denn die erhöhte Legionellenanzahl wurde lediglich an einer einzigen Entnahmestelle nachgewiesen, so Colligs. Damit hat die Familienheim eG also all das getan, was in einem solchen Fall zu tun ist und es besteht auch keine Gesundheitsgefahr. Warum also die Unsicherheit? Letztlich liegt die Ursache dafür wohl in einem Kommunikationsproblem.

Die Familienheim eG, beziehungsweise das zuständige Labor schreiben im Informations-Aushang an die Bewohner: „Eine Infektion erfolgt durch Einatmen des Sprühnebels, wie er beim Duschen entsteht“ und weiter: „Unbedenklich sind der Verzehr von Trinkwasser und die Verwendung zur Körperhygiene (außer zum Duschen).“ Das ist zwar alles korrekt, kann aber durchaus so verstanden werden, als sei das Duschen zurzeit gefährlich. Zumal auf dem Aushang fett gedruckt von einer „hohen Kontamination“ gesprochen wird. Das räumt auch Heinz Colligs ein und verspricht eine Nachinformation der Bewohner. Die können jetzt aber erst mal beruhigt duschen gehen. shy