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Im Test Der neue Citroën C5 Aircross präsentiert sich mit sanftem Fahrwerk und markantem Äußeren / Einzelsitze im Fond lassen sich verschieben

Charmanter Umschmeichler

Archivartikel

Köln.Franzosen sind anders. Das Land der großen Küche, des Champagners und der Hauptstadt der Liebenden setzte schon immer auch im automobilen Bereich Akzente, schuf avantgardistische Formen, dämpfte die Karosserien mit Luft und platzierte die Schalter in den Fahrzeugen nicht dort, wo es praktisch gewesen wäre. Entsprechend soll natürlich auch Citroëns Antwort auf den VW Tiguan nicht unbedingt nur ein Abklatsch des Wolfsburgers sein. Und das ist gelungen.

Der C5 Aircross verbreitet einen ganz eigenen Charme. Die bullige Front wird durch schmale Leuchten entschärft, das Markenzeichen, der Doppelwinkel, geht fließend in die Motorhaube über und der „Airbump“ genannte Rammschutz an den Türen setzen einen Kontrapunkt. Auch im Innenraum zeigen beispielsweise Wölbungen über den Lüftungsschlitzen, dass hier auf Details geachtet wurde. Das betrifft auch die Verarbeitung, die – im Gegensatz zu früher – vorbildlich ist. Klappern und Rasseln kennt der C5 Aircross nicht. Und: Die Schalter und Knöpfe sitzen heute auch da, wo es ergonomisch sinnvoll ist.

Ganz französisch präsentieren sich die Sitze. Sie sind weich und bieten nahezu keinen Seitenhalt. Hier setzt der Citroën ein klares Zeichen, es wartet kein Sportler, sondern ein Umschmeichler, der die Passagiere sanft und geschmeidig von A nach B bringen will. Das unterstreichen auch die Stoßdämpfer. Die haben zusätzlich zu den üblichen mechanischen Anschlägen auch hydraulische. Die ermöglichen längere Federwege. Die Folge: Auf langen Wellen ist der Aircross wirklich komfortabel, federt über Unebenheiten hinweg. Allerdings poltert er bei Straßenschäden ungalant.

Die Lenkung ist leichtgängig und sehr komfortorientiert, lässt allerdings dadurch das direkte Ansprechverhalten etwas vermissen. Da aber ja schon das Fahrwerk soft ausfällt, liegen die Ambitionen, durch Kurven zu jagen, eher niedrig.

Platz für Kind und Kegel

Der 181-PS-Benziner gibt sich zurückhaltend. Er tut sich etwas schwer, um in die Gänge zu kommen, hat aber eine muntere Phase im Zwischensprint auf der Autobahn. Ähnlich wie bei der Geräuschentwicklung gibt er sich im Verbrauch bescheiden und hat im Testbetrieb knapp sieben Liter konsumiert. Die Achtgang-Automatik harmoniert gut mit ihm, nervt aber in Kombination mit der Start-Stopp-Automatik. Hier ruckelt sie, und es dauert zu lange, bis sich der Aircross in Bewegung setzt.

Vier Leute finden im Citroën bequem Platz. Die mächtige Mittelkonsole stört subjektiv das Platzempfinden, der hohe Dachhimmel und die üppigen Glasflächen wirken dem entgegen. Drei Einzelsitze im Fond sorgen für familiären Frieden, sie lassen sich um jeweils bis zu 15 Zentimeter verschieben – so findet sich jederzeit ein Kompromiss zwischen Kniefreiheit und Kofferraum, zwischen Kind und Kegel. Der Kofferraum schluckt die theoretische Zahl von 580 und 1630 Litern – in der Praxis bedeutet das ausreichend Platz für das Gepäck einer Familie oder den Großeinkauf am Wochenende.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/auto