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Weinheim Präventionsprogramm vorgestellt / Teilnehmende Lokale spendieren Autofahrern ein alkoholfreies Getränk

Dank „Bob“ gibt’s einen aufs Haus

Archivartikel

231 Menschen sind 2017 bei einem durch Alkohol verursachten Unfall im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Zwar ist diese Zahl in den vergangenen drei Jahrzehnten merklich gesunken, ausgehend von 2102 Getöteten im Jahr 1992, doch für die Mitglieder der ehrenamtlichen Verkehrswachten gilt es, den Trend rückläufig zu halten. Der Weinheimer Ortsverein mit seiner Vorsitzenden Barbara Ank-Jurczyk hat eine Kampagne an die Bergstraße gebracht, die einen entscheidenden Beitrag zur Prävention leisten soll.

„Die Aktion Bob stammt aus Belgien, der Name beschreibt denjenigen, der mit seinen Freunden feiern geht, Auto fährt und nüchtern bleibt“, erklärt Ank-Jurczyk bei einem Pressegespräch in der Gaststätte „Diebsloch“. „Bob“ ist ein Präventionsprogramm, in dem sich pflichtbewusste Fahrer mit einem gelben Schlüsselanhänger kennzeichnen. In teilnehmenden Gaststätten gibt es als Anreiz ein alkoholfreies Getränk umsonst oder vergünstigt. In Diskotheken kann der Eintritt vergünstigt werden. „Damit wollen wir nicht nur die meistbetroffene Gruppe der 18- bis 24-Jährigen ansprechen. Auch die Rentnergruppe kann den Anhänger einsetzen“, erklärt die Vorsitzende.

Zehn Lokale legen vor

Die Marktplatz-Wirte wollen vorangehen und das Projekt unterstützen. „Wir Gastronomen von der IG Marktplatz werden auf jeden Fall mitmachen“, sicherte „Diebsloch“-Betreiber Gerald Haas zu. Aufgabe der Gastwirte sei es zu schauen, dass die Gäste nicht zu viel trinken und schon gar kein Auto mehr fahren. Um die Initiative zu fördern, werden die „Bobs“ voraussichtlich je ein Freigetränk in den zehn Gaststätten der IG Marktplatz erhalten. Die Verkehrswacht Weinheim hofft, dass sich ein „Schneeballeffekt“ einstellt und viele Restaurants und Bars nachziehen. Die Teilnahme ist kostenlos, die Lokale können jederzeit ein- oder aussteigen. Dass das „Bob“-Projekt angenommen wird und Wirkung zeigt, bestätigen die Zahlen: Laut Erhebungen der Polizei in Ludwigshafen, dort ist der „Rhein-Bob“ aktiv, sei ein Rückgang der Alkoholdelikte im Straßenverkehr um rund 60 Prozent verzeichnet worden. Flächendeckend eingeführt wird das Projekt vorerst nicht, zumindest in Baden-Württemberg: „Das Land hat andere Programme, die man sich mit Bob nicht kaputtmachen will“, erklärt Thomas Jenne, Referent Verkehrsprävention der Polizei, die „2-Burgen-Bob“ unterstützt und fördert.

Den quietschgelben Begleiter wird es in allen teilnehmenden Gaststätten geben. Diese sind mit einem Aufkleber von außen kenntlich gemacht. Auch in Fahrschulen, im Bürgerbüro und im Büro des Stadtjugendrings soll es „Bob“-Anhänger geben. Oberbürgermeister Manuel Just hat gemeinsam mit dem in Weinheim lebenden Comedian Bülent Ceylan die Schirmherrschaft für das Programm übernommen: „Man schützt damit auch die anderen Verkehrsteilnehmer, die dadurch weniger gefährdet sind, wenn weniger Alkoholisierte am Steuer unterwegs sind.“ ppf