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Weinheim Landesregierung erhöht Förderung von 10 auf 12,5 Prozent der Musikschul-Personalkosten / Sckerl und Osuchowski sind sich einig: „Weitere Steigerung nötig“

„Das verschafft uns ein wenig Luft“

Die grün-schwarze Regierungskoalition hat bei den gerade abgeschlossenen Beratungen über den Doppelhaushalt 2020/21 die Mittel für die Musik- und Kunstschulen erhöht und damit die Förderung etwas verbessert. Diese Mitteilung machte der Weinheimer Landtagsabgeordnete Uli Sckerl. Er freue sich, dass die erhöhte Förderung auch der Musikschule Badische Bergstraße zugutekommen werde, betonte er.

Die Jugendmusikschulen erhielten laut Sckerl landesweit bisher rund 20 Millionen Euro pro Jahr, 2020 sind es 24,1 Millionen Euro, 2021 dann 24,4 Millionen Euro. Diese Erhöhung gelte nicht nur einmalig, sondern sie erfolge strukturell und damit dauerhaft. Die Förderung erreiche damit 12,5 Prozent der anerkannten Kosten für das pädagogische Personal der Jugendmusikschulen.

„Natürlich wird es beim Blick auf die knappen Budgets der Jugendmusikschulen weiter darum gehen, die Förderung stetig zu erhöhen“, so Sckerl. Ihm sei aber wichtig, dass der Einstieg geglückt sei. „Kaum ein Angebot fördert die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen wie die kulturelle Bildung. Sie ergänzt die schulische Bildung und trägt zur musikalischen und künstlerischen Bildung junger Menschen bei“, teilte er abschließend mit.

„Längst überfälliger Schritt“

Und wie kommt diese Nachricht bei den Betroffenen an? „Das war längst überfällig und kann auch nur als erster Schritt in die richtige Richtung bewertet werden“, erklärte Jürgen Osuchowski, Leiter der Musikschule Badische Bergstraße.

Dazu muss man wissen, dass die Musikschulen in Baden-Württemberg in der Vergangenheit auch schon mal eine 20-prozentige Landesförderung der Personalkosten hatten. Bis 2004 gab es dann noch 15 Prozent, danach 10 Prozent.

Osuchowski: „Während 15 Prozent damals noch halbwegs auskömmlich waren, hat die Reduzierung auf zehn Prozent großen Schaden in der Musikschullandschaft angerichtet. Bei vielen Schulen – in der Region zum Beispiel in Eberbach und in Neckargemünd – wurden die Verträge der fest angestellten Lehrkräfte in freie Mitarbeiterverträge umgewandelt, natürlich zu deutlich schlechteren Konditionen. Ein Grund dafür, dass heute großer Fachkräftemangel herrscht und auch die Musikhochschulen mittlerweile händeringend nach geeigneten Studenten Ausschau halten. Ohne Festanstellungen wird sich aber eine musikalische Ausbildung der Jugend mit qualifiziertem Personal flächendeckend nicht sichern lassen“, machte der Musikschulleiter deutlich.

Bei städtischen Musikschulen werden Tariferhöhungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie bei allen anderen Bediensteten der Stadt automatisch übernommen. Bei Musikschulen, die als eingetragener Verein organisiert sind, sieht das anders aus. Das betrifft auch die Weinheimer Musikschule, die dennoch größtenteils mit festangestellten Musikschullehrkräften arbeitet. Für sie wurde es zunehmend schwierig, diese noch bezahlen zu können. „Folge war eine Schrumpfung der Schule um zehn volle Stellen“, teilte Osuchowski mit.

Minusbetrag im Haushalt

Die Förderung der Mitgliedsgemeinden als Anteil am Budget der Musikschule mache relativ konstant 33 Prozent aus. Kreis und Land hätten zusammen einen Anteil von etwa 13 Prozent. Die restlichen Mittel müssten von der Musikschule aufgefangen werden. In der Regel geschehe dies durch jährliche Preiserhöhungen für die Nutzer und durch Beschaffung von zusätzlichen Einnahmequellen – zum Beispiel mit Projekten und Spenden.

Tariferhöhungen hätten in der Vergangenheit sofort einen dicken fünfstelligen Minusbetrag im Haushalt erwirkt. „Insofern verschafft die Anpassung der öffentlichen Fördermittel des Landes ein wenig Luft. Im März stehen Tariferhöhungen an. Die Mehreinnahmen durch die Erhöhung der Landesmittel in Höhe von rund 30 000 Euro werden durch die Tariferhöhung sicherlich komplett benötigt werden.“

Um in den vier Mitgliedsgemeinden Laudenbach, Hemsbach, Weinheim und Hirschberg das Angebot erhalten zu können, seien aber weitere Mittel vom Land notwendig, da die Zuschüsse der Gemeinden und die Möglichkeiten der Eltern limitiert sind. Hinzu komme, dass sich die qualifizierten Lehrkräfte die Stellen aussuchen können und dorthin gehen, wo am besten bezahlt wird. In den kommenden Jahren würden 500 neue Lehrkräfte allein in Baden-Württemberg gesucht, da das bewährte Personal in den Ruhestand geht.

Die Musikschule Badische Bergstraße sei allen dankbar, die tatkräftig geholfen haben, dass die Landesregierung zusätzliche Mittel zur Verfügung stellt, schlägt Osuchowski am Ende seiner Stellungnahme versöhnliche Töne an.