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Elektroauto Die Bandbreite reicht mittlerweile vom Stadtflitzer über ausgewachsene SUVs bis hin zum Transporter

Der Markt für Stromer wächst

Archivartikel

München/Berlin.Schnelle Beschleunigung, keine Abgase: Elektroautos bieten gegenüber Autos mit Verbrennungsmotoren einige Vorteile. Die Zahl der zugelassenen Stromer steigt, und das Angebot wächst: Nach bereits verfügbaren Modellen wie BMW i3, Jaguar I-Pace, Nissan Leaf, Renault Zoe, Smart Fortwo EQ, Tesla Model S und VW e-Golf kommen in diesem Jahr weitere Neuheiten auf den Markt. Dadurch nimmt die Bandbreite zu, und die Einsatzzwecke werden vielfältiger.

Das beobachtet Andreas Radics von der Unternehmensberatung Berylls Strategy Advisors. „Mit Blick auf die bereits verfügbaren E-Autos und die Modelle, die für die nächsten Monate angekündigt sind, gibt es mittlerweile mehrere Fahrzeugmodelle für jede Kundengruppe.“ Die Bandbreite reiche vom Stadtflitzer bis zum vollwertigen SUV. Nur für Handelsreisende mit 1000 Kilometer oder mehr Fahrleistung am Tag fehle das passende Gefährt mit entsprechender Reichweite.

Überblick über Neuheiten

Ein Überblick über die angekündigten Neuheiten: Der e.Go Life der e.Go Mobile AG aus Aachen ist laut Radics für Flottenbetreiber eine Alternative zu konventionellen Kleinwagen. Mit neuen SUVs wie dem Audi e-tron, Kia Niro oder Mercedes EQC werden Fahrer bedient, die Wert auf viel Platz legen. Der 4,76 Meter lange Mercedes EQC leistet 300 kW/408 PS und soll rund 450 Kilometer weit fahren. Preis: rund 80 000 Euro. Ähnlich stark und teuer wird der neue Audi e-tron. Gewerbetreibende und Handwerker können heute mit einem Nissan e-NV200 oder Streetscooter elektrisch zu ihren Kunden fahren. Mercedes und VW wollen 2019 ebenfalls Elektro-Transporter verkaufen.

Neben Preis und Design sind bei der Auswahl eines E-Autos einige weitere Kriterien wichtig. Reichweite, verfügbare Ladeinfrastruktur sowie Ladegeschwindigkeit sind Schlüsselkriterien für den Erfolg der E-Autos allgemein, schildert Radics. Und in diesen Bereichen sieht er massive Fortschritte. Wichtig sei der Ausbau der Ladeinfrastruktur im öffentlichen Bereich wie an Autobahnen. „Es bringt dem E-Autofahrer nichts, wenn er bei einer langen Dienstfahrt oder im Urlaub stundenlang auf eine Zwischenladung warten muss. Sei es, weil die Ladegeschwindigkeit nicht mehr hergibt oder weil die Tankstelle belegt ist“, so Radics. Mit höheren Ladeleistungen von bis zu 150 Kilowatt (kW) könnte der Ladevorgang künftig deutlich kürzer sein als bisher. Zum Vergleich: Ladestationen für daheim (Wallboxen) leisten laut ADAC zwischen 3,7 und 22 KW.

Die Reichweiten der Autos sind noch immer nicht uneingeschränkt alltagstauglich. Marcel Mühlich vom Auto Club Europa (ACE) rät, in Betracht kommende Fahrzeuge auf diesen Aspekt hin zu testen, weil die Angaben der Hersteller von der Realität abweichen können. Viele Modelle lassen sich mit unterschiedlich großen Batterien bestellen. Es gilt aber: Je höher die Reichweite, desto mehr kostet das Modell. Interessierte sollten sich vorher jedenfalls genau über ihren Einsatzzweck klar werden. „Das E-Auto lohnt sich aufgrund seiner eingeschränkten Reichweite eher für Pendler die täglich 30 bis 50 Kilometer Fahrtweg haben“, schätzt Mühlich ein. Die Fahrt zur Arbeit und zurück ist für ein Auto mit einem Akku, der durchschnittlich 150 bis 200 Kilometer durchhält, kein Problem. Was nicht vergessen werden sollte: Auch Strom zu tanken, kostet. Mühlich sieht Fahrer im Vorteil, die günstig Strom zapfen können, etwa beim Arbeitgeber oder in der heimischen Garage, idealerweise aus regenerativen Energien. E-Autos sind bei niedrigen Geschwindigkeiten viel leiser als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren und sie produzieren beim Fahren keine Abgase. Sie sind lokal abgasfrei, heißt es dazu oft. Bei der Produktion der Fahrzeuge und der Stromerzeugung etwa fallen aber natürlich Emissionen an. Im Fahrbetrieb wird nur durch den Bremsen- und Reifenabrieb Feinstaub produziert.

Trotz Umweltprämie kosten Elektroautos mehr als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Die E-Auto-Förderung in Höhe von 4000 Euro für Fahrzeuge bis maximal 60 000 Euro gleiche das laut Mühlich nur teilweise aus. „Deshalb sollten Interessierte prüfen, ob das E-Auto überhaupt zu ihren Fahrgewohnheiten passt.“ Vor allem Langstreckenfahrer sollten sich überlegen, ob sie mit einem konventionellen Antrieb günstiger fahren.

Kritischer Punkt ist die Batterie

Eine Alternative könnten gebrauchte E-Autos sein: Hier muss laut Marcel Mühlich eine hohe Laufleistung Kunden nicht abschrecken, weil in Elektroautos weniger Teile verschleißen. Der kritische Punkt beim gebrauchten Elektroauto sei der Zustand der Batterie, deren Kapazität nach 2000 bis 8000 Ladezyklen merklich nachlassen kann. Ohne Risiko sei der Kauf eines E-Autos mit gemieteter Batterie, wie es etwa bei Renault, Nissan oder Smart möglich ist. Ist der Mietakku defekt, muss der Hersteller sie kostenlos austauschen. tmn