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Im Test Nach 40 Jahren kommt es zur Revolution – und Mercedes-Benz präsentiert eine völlig überarbeitete G-Klasse

Der Neue glänzt auch auf der Straße

Archivartikel

Stuttgart.In diesen Tagen hat sich Dieter Zetsche nach 13 Jahren an der Spitze von Daimler verabschiedet. Die Zeitschrift „auto, motor und sport“ hat ihn aus diesem Anlass gefragt, mit welchem Mercedes-Modell sich seine Karriere am ehesten vergleichen lässt. Die Antwort: „Wahrscheinlich mit dem G-Modell. Ich habe versucht, mir immer treu zu bleiben und mich gleichzeitig weiterzuentwickeln.“ Seit 40 Jahren ist der Geländewagen auf dem Markt, lange bevor jemand den Begriff SUV erfunden hat. Und seit dieser Zeit überzeugt das Urvieh mit grandiosen Eigenschaften abseits befestigter Straßen – und neuerdings sogar auf Asphalt.

Natürlich, gleich vorweg, bevor es beim samstäglichen Frühstück zu Hitzewallungen kommt: Der G ist völlig unvernünftig, ihn braucht außer Bergbauern und Wüstenbezwingern kein Mensch. Und trotzdem ist der G, der nun – erstmals seit seiner Präsentation 1979 – grundlegend erneuert wurde, ein Bestseller im Hause Mercedes-Benz. Die Frage nach dem Warum war bis zur Neuauflage durchaus berechtigt. Der Alte holperte eher die Straßen entlang, jede Kurve war ein Kampf mit der Physik und dem eigenen Mut, Komfort durch Raumgefühl ein Fremdwort. Und nun? Alles ist besser – und der Wiedererkennungswert liegt trotzdem bei 100 Prozent.

53 Millimeter länger und 121 Millimeter breiter ist der G geworden. Im schicken Innenraum mit virtuellem Cockpit und Großbildschirmen (zwei Mal 12,3 Zoll) geraten die Passagiere nicht mehr auf Tuchfühlung. Um einzusteigen – oder besser: hineinzuklettern – gilt es erstmal, den Knopf am markanten Türgriff zu drücken. Ist der Sitz erklommen, hört sich das Schließen der Türe an, als werde ein Panzerschrank verriegelt. Das Klacken der Zentralverriegelung nach kurzer Fahrt klingt wie vor Jahrzehnten. Was für eine Liebe zum Detail! Das Ersatzrad an der Hecktür, die augenfälligen Blinker, die außenliegenden Türscharniere und die aufliegende Motorhaube – Fans des Klassikers jauchzen.

Alltagstaugliche Handlichkeit

Jetzt gibt es den G auch als 350er Diesel zu bestellen. Der Testwagen wird von einem V8 befeuert, ein famoses Triebwerk, das den Zweieinhalbtonner zu fast erschreckend guten Fahrleistungen beflügelt, die er grandios verarbeitet. Sicherlich sind wildem Kurvenwedeln mit dem Boliden auch als neues Modell Grenzen gesetzt – diese aber inzwischen weit gefasst. Auch ein Novum: Federleicht lässt sich das fast fünf Meter lange Schiff dirigieren, es erreicht damit eine völlig alltagstaugliche Handlichkeit. Durch die beachtliche Höhe von nahezu zwei Metern zieht der Fahrer instinktiv den Kopf ein, wenn es in eine Garage geht. Der Vorteil: Beste Übersicht ist garantiert.

Der Nachteil des dezent-betörend blubbernden Vierliter-Aggregats im G ist der Verbrauch. 15 Liter Super sind es am Ende, selbst bei gemäßigter Fahrweise. Es bliebe der sparsamere Diesel – oder das noch stärkere und konsumfreudigere AMG-Modell. Hier ist sich die G-Klasse treu – und in der Tatsache, dass sie die langen Wartezeiten trotz der stattlichen Preise schon jetzt zum Bestseller machen.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/auto

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