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Biografie Nicola Attadio erinnert an US-Journalistin Elizabeth Cochran, die heikle Themen verdeckt recherchierte / Sie schrieb unter dem Pseudonym Nellie Bly

Die Geschichte einer furchtlosen Frau

Elizabeth Cochran war eine ungewöhnliche Frau, selbstbewusst, klug, mutig und emanzipiert. Als Nellie Bly wurde sie Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der herausragenden Journalistinnen der USA. Ihr Leben und ihre Bedeutung waren fast vergessen. Der in Rom lebende Autor Nicola Attadio wollte sich damit nicht abfinden. Er hat die lesenswerte „Biografie einer furchtlosen Frau und Undercover-Journalistin“ geschrieben, die gleichzeitig viel über die Geschichte der US-Medien erzählt und darüber, wie schwer es Frauen hatten, sich in einer Welt zu behaupten, von der Männer noch glaubten, sie gehöre allein ihnen.

Die 1864 geborene Elizabeth war der Liebling ihres Vaters Michael Cochran. 1885 beeindruckte Elizabeth mit einem Leserbrief an den „Pittsburgh Dispatch“ den Chefredakteur so sehr, dass er ihr das Angebot machte, für die Zeitung zu schreiben. Schon bald bekam sie eine feste Stelle und als Reporterin den Namen Nellie Bly. Sie schrieb undercover – also geheim – recherchierte Geschichten, Kolumnen und eine Reportagereihe über ihre fünfmonatige Reise durch Mexiko.

Akkreditierung für Ostfront

Im März 1887 machte sie sich auf den Weg nach New York. Mit der Hartnäckigkeit, die typisch für sie war, überzeugte sie den Chefredakteur der „World“, sich in die Irrenanstalt auf Blackwell’s Island einweisen zu lassen und eine Reportage darüber zu schreiben.

Es wurde ein packender Bericht über erbärmliche Zustände in der New Yorker Klinik für 1600 psychisch kranke Frauen. Sie scheute auch vor Themen wie Korruption nicht zurück und machte von sich reden mit ihrer Idee, um den Globus zu reisen – schneller als Phileas Fogg, der Held aus Jules Vernes „In 80 Tagen um die Welt“.

Mit 25 Jahren brach sie im November 1889 zu ihrer Reise mit dem Schiff von New York nach Großbritannien auf. Nach 72 Tagen, sechs Stunden und elf Minuten war sie zurück, inzwischen bekannt wie ein Popstar und genauso umjubelt.

Im Herbst 1914 gehörte sie zu den nur vier Journalisten, die eine Akkreditierung für die Berichterstattung an der Ostfront hatten, wo im Ersten Weltkrieg brutal gekämpft wurde. Auch hier beeindruckte sie als Frau, die berichtete, was ihr wichtig war. Die Journalistin Nellie Bly erlag im Jahr 1922 einer Lungenentzündung. dpa