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Die Götter lassen’s etwas konventioneller krachen

Archivartikel

„American Gods“: Die zweite Staffel der hochgelobten, etwas blutrünstigen Serie läuft ab 11. März bei Amazon Prime Video

Kultautor Neil Gaiman („Coraline“, „Sandman“) schuf im Jahr 2001 ein modernes Meisterwerk fantastischer Erzählkunst. In „American Gods“ ließ er die alten und neuen Götter aufeinanderprallen und kreierte damit eine Geschichte über das Erzählen von Geschichten und das, was die Menschheit kulturell prägte und formte: Figuren aus der nordischen, slawischen oder auch afrikanischen Mythologie kämpften gegen neue, ebenfalls physisch auftretende Gottheiten wie Medien, Technologie und Kapitalismus. Mittendrin: Shadow Moon, ein Ex-Sträfling, der von Mr. Wednesday alias Göttervater Odin unter seine Fittiche genommen wird.

Vor nunmehr zwei Jahren kam die komplexe Geschichte auch zu filmischen Weihen und wurde von Bryan Fuller („Hannibal“, „Star Trek: Discovery“) und Michael Green („Heroes“, „Blade Runner 2049“) als virtuose TV-Unterhaltung adaptiert – kongenial besetzt mit Ricky Whittle („The 100“) als Shadow, Ian McShane („Deadwood“) als Wednesday, sowie Emily Browning („Sucker Punch“) in der Rolle von Shadows betrügerischer Frau Laura.

Nach vielen Verzögerungen steht nun endlich die zweite Staffel mit wöchentlich neuen Folgen ab Montag, 11. März, in den Startlöchern. Nachdem sich der Krieg der Götter zum Ende der Premierenstaffel bereits andeutete, geht’s nun auch ordentlich zur Sache. Doch zuerst muss Wednesday die Seinen von der Notwendigkeit des Vorhabens überzeugen ...

Relativ zu Beginn der neuen Staffel erfährt man etwas über die Herkunft und Jugend von Shadow – auch er ist irgendwann in die neue Welt eingewandert. Eine Analogie zu den Wegen der Götter, die sicherlich nicht zufällig ist. In puncto narrative und audiovisuelle Raffinesse stellt sich nach den ersten Folgen allerdings ein wenig Ernüchterung ein.

„American Gods“ wirkt diesmal ein Stück weit konventioneller und weniger gewagt als noch vor zwei Jahren. Was aber nicht bedeutet, dass das Format nun plötzlich auf Massentauglichkeit getrimmt wurde. Die Neil-Gaiman-Adaption ist und bleibt ein außergewöhnliches Stück modernes Fernsehen. tsch