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Literatur Bestseller-Autorin Camilla Läckberg schreibt einen Thriller ohne Spannung / Zu viele Klischees bedient

Die Intrigen der höheren Gesellschaft

Archivartikel

Pause in Fjällbacka: Schwedens Bestseller-Autorin Camilla Läckberg traut sich in ein ungewohntes Genre. Protagonistin Faye hat ihre Karriere für ein Luxus-Leben mit Jack geopfert. Doch der Schein trügt und Faye schmiedet einen Racheplan.

Faye hat in ihrem Leben alles richtig gemacht. Den erfolgreichsten Unternehmer Stockholms als Mann, das Paar wohnt mit der gemeinsamen Tochter Julienne in einem luxuriösen Apartment, in Schwedens gehobener Gesellschaft sind sie zu Hause und verkehren darin mit Selbstverständlichkeit. Sie lebt das Leben, das für viele nur ein Traum ist. Damit das so bleibt, versucht Faye alles, um Jack zu gefallen, unterwirft sich ihm und verzichtet auf ein eigenes Leben.

Doch im Laufe des Romans wird recht schnell klar, Liebe und Zärtlichkeit haben in ihrem Alltag keinen Platz mehr. Jack ist immer gelang-

weilter von ihr und ersetzt sie schließlich durch seine jüngere Sekretärin. Faye ist am Boden zerstört, doch mit etwas Abstand bricht der Frust – vor allem über sich selbst – aus ihr heraus: Wie konnte sie so blind sein? War sie nicht diejenige mit der Idee für Jacks Unternehmen?

Ist sie nicht der Grund für seinen Erfolg? Aus Liebe wird Hass. Faye krempelt ihr Leben um und schmiedet einen Racheplan, um Jack ein für alle Mal zu vernichten.

Läckbergs Bücher sind ein fester Bestandteil jeder Skandinavien-Krimi-Abteilung. Sie ist Schwedens erfolgreichste Krimi-Autorin, ihre Fjällbacka-Krimireihe wurde mehr als 20 Millionen Mal verkauft.

Für „Golde Cage“ hat Läckberg nicht nur geografisch ihre gewohnte Fjällbacka-Umgebung verlassen, auch mit dem Genre ist sie einen neuen Weg gegangen. Während das Cover von einem Roman und die Autorin selbst von ihrem ersten Thriller spricht, liegt die Wahrheit vermutlich irgendwo in der Mitte.

Denn obwohl der Klappentext es verspricht und die Handlung es hergeben würde, fehlt es dem Buch an spannenden Momenten. Schon ab der Hälfte der 384 Seiten ist die Geschichte erzählt und das Ende weitestgehend vorhersehbar. Viel mehr Wert scheint Läckberg in ihrem Buch auf die detaillierten, fast pornografische Darstellung von Fayes Bett-Szenen zu legen. Sie sei mutiger und stärker geworden, erst jetzt habe sie sich getraut, solch ein Buch zu schreiben, sagt Läckberg selbst über ihr neuestes Werk. Es sei eine Verbeugung vor allen Frauen, die für sich einstehen. Doch um diese Message in ihrem Buch unterzubringen, bedient Läckberg zu viele Klischees. Am Ende bleibt eine unrunde, konstruierte Geschichte.