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Weinheim Nach dem Nominierungsdebakel bei der CDU geht es nun um Schadensbegrenzung / Vier bereis gewählte Kandidaten drohen mit Rücktritt

Die „Mission Rettung“ ist angelaufen

Archivartikel

Es ist Tag drei nach dem Nominierungsdebakel beim CDU-Stadtverband Weinheim. „Ich bin immer noch fassungslos, denn damit habe ich überhaupt nicht gerechnet“, sagt Fraktionschef und Stadtverbandsvorsitzender Holger Haring. Jetzt gehe es um Schadensbegrenzung und „ich bin mir sicher, dass wir das auch wieder hinbekommen.“

Das ist passiert: Stadtrat Sascha Pröhl und der Weinheimer Ortsverbandsvorsitzende Hans-Peter Masuch sind bei den Abstimmungen durchgefallen, ihre Plätze wurden neu besetzt, die Liste mit zwei Nachrückern von hinten aufgefüllt. Die Folge waren Schuldzuweisungen unterschiedlichster Form, an dem Abend selbst waren schnell die Ortsverbände außerhalb Weinheims als diejenigen ausgemacht, die in einer konzertierten Aktion zwei immer wieder umstrittene Kandidaten aus dem ungeliebten Ortsverband Weinheim zu Fall gebracht und damit auch große Teile des Stadtverband-Vorstands angezählt haben.

Gegen „Rechtsruck“

„Der Ortsverband Weinheim braucht nach dem Rechtsruck der vergangenen Jahre dringend eine politische Neuausrichtung und jetzt ist die Zeit dazu“, lautete die Reaktion eines führenden Mitglieds aus einem der Ortsverbände aus den Stadtteilen. Seinen Namen möchte er nicht lesen, „sonst stehen alle meine Mitglieder unter Generalverdacht.“ Nur das fügt er hinzu: „Es gab im Vorfeld keine Absprachen unter den Ortsverbänden.“ Das sieht auch Haring so. Zwar seien bei der Versammlung mehr Vertreter aus den Stadtteilen als aus der Kernstadt anwesend gewesen, und die Kandidaten aus den Ortsteilen hätten auch durchweg die besseren Ergebnisse erzielt.

Aber eine konzertierte Aktion sieht er nicht, er vermutet eher eine gewisse Dynamik, die sich bei den Wahlgängen um die Listenplätze Pröhls und Masuchs entwickelt habe. „Da waren viele Emotionen im Spiel, denn rational ist das Ergebnis nicht zu verstehen.“ Vertreter aus den Ortsverbänden der Stadtteile und der Kernstadt saßen noch vor der Sitzung des Stadtverbandes mehrfach zusammen, einigten sich auf die Kandidaten und die Plätze auf den jeweiligen Listen und wollten durch diesen im Vorfeld erzielten Konsens erreichen, „dass sich Vorkommnisse wie 2014 nicht mehr wiederholen“, beschreibt es Haring.

Vor fünf Jahren endete die Nominierung zur Kommunalwahl ebenfalls mit einem Eklat, die Stadträtinnen Dr. Elke König und Christina Eitenmüller traten zurück und schlossen sich der Weinheimer Liste an. Im Nachgang traten mehrere Mitglieder aus dem Ortsverband Weinheim aus und wechselten unter anderem in die Stadtteile. Seitdem, aber auch aufgrund des Machtkampfes an der Spitze des Stadt- sowie Ortsverbandes Weinheim, herrscht ein gespaltenes Verhältnis zwischen den Ortsteilen und der Kernstadt-CDU. Auch mit Blick auf durchaus unterschiedliche politische Positionen.

Die Korrektur betrifft die Gesamtliste der CDU Weinheim. Während die Nominierten aus den Ortsteilen das Wahl-Drama zur Kenntnis nahmen, meldeten sich bereits gewählte Kandidaten aus der Kernstadt. Klaus Hafner, Rolf Schmidlin, Alexia Beer und Denise Düser drohten mit Rücktritt von der Liste. Bis Dienstag haben die Kandidaten noch Zeit, zurückzuziehen. Ein erstes Gespräch fand am Freitagabend statt. Fakt ist, dass die Liste am 28. März abgegeben werden muss und „sie sollte natürlich komplett sein“. sf