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Sachbuch Hausmann legt Biografie von Lucrezia Borgia vor

Die schöne Giftmischerin

Archivartikel

Es gibt wohl kein Verbrechen, dass man ihr nicht zur Last gelegt hätte: Lucrezia Borgia (1480-1519) wurde der Giftmischerei, des Ehebruchs, ja sogar des Inzests bezichtigt. Entsprechend geisterte die schöne Papsttochter als Femme fatale durch zahlreiche Romane, Theaterstücke und Filme. Friederike Hausmann blickt in ihrer Biografie dagegen hinter die schwarze Legende. Sie zeigt eine schöne und kultivierte Frau, die aufgrund ihrer herausgehobenen Stellung als Tochter von Papst Alexander VI. in ihrer Jugend zum Spielball von Intrigen wurde. Der schlechte Ruf ihres Vaters und des Bruders Cesare färbte auf sie ab. Erst in ihrer zweiten Lebenshälfte und dritten Ehe konnte sich Lucrezia in ihrer Rolle als Herzogin von Ferrara befreien. Hausmann beschreibt sie hier als überraschend umsichtige Verwalterin, die sich für die Urbarmachung von Land engagierte. Das zurückhaltend geschriebene Buch zeigt ein erfrischend anderes Bild von Lucrezia Borgia als sympathische und patente Persönlichkeit in oft finsterer Umgebung. (Friederike Hausmann: „Lucrezia Borgia. Glanz und Gewalt“. Eine Biographie, C.H. Beck Verlag, München, 320 Seiten, 24,95 Euro). dpa