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Literatur „Gegen Ende“ von Michael Rutschky

Drastisches Tagebuch

Seine früheren Tagebuch-Bände wurden als lakonisch und leicht beschrieben. Jetzt ist unter dem Titel „Gegen Ende“ der dritte Teil der Lebenserinnerungen des Berliner Autors Michael Rutschky erschienen – rund ein Jahr nach dessen Tod. Darin berichtet der Essayist über seine Erlebnisse, Begegnungen und Gespräche der Jahre 1996 bis 2009. Die Leichtigkeit ist dabei einer oft düsteren Stimmung gewichen.

Der in den anderen Bänden (etwa „In die neue Zeit“ von 2017) so scharfe Blick auf das Alltagsgeschehen richtet sich vermehrt auf das eigene Ich: Älterwerden, Depression und Krebskrankheiten gewinnen als Themen an Gewicht. Sowohl im Vorwort seines geistigen Weggefährten Kurt Scheel als auch im Nachwort des „Zeit“-Journalisten Jörg Lau wird deutlich, mit welcher Härte Rutschky dabei auch Böses und Kritisches über Menschen aus seiner engsten Umgebung offenbarte – und vor Kränkungen nicht zurückschreckte. Der Heinrich-Mann-Preisträger war im März 2018 mit 74 Jahren gestorben (Michael Rutschky: „Gegen Ende“; Zusammengestellt von Michael Rutschky und Kurt Scheel. Berenberg Verlag, Berlin. 360 Seiten, 24 Euro). dpa