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Drei Kubrick-Klassiker neu aufgelegt

„2001 – Odyssee im Weltraum“/„Uhrwerk Orange“/„Barry Lyndon“: Opulente Buch/DVD-Ausgaben im Taschen Verlag

Ein radikaler Pessimist und ein großer Visionär mit einer unglaublichen Einbildungskraft: Stanley Kubrick (1928-1999) war sicher einer der einflussreichsten Filmemacher des 20. Jahrhunderts. Seine außergewöhnlichen Filme haben ästhetische, philosophische, musikalische und filmische Standards gesetzt – und von ihrer Aktualität haben sie kaum etwas verloren. Sein Werk strahlt bis ins Jetzt.

Schauwerte noch erhöht

In der Reihe „Das Making-of eines Meisterwerks“ des Taschen Verlags sind jetzt mit „2001: Odyssee im Weltraum“(1968), „Uhrwerk Orange“ (1971) und „Barry Lyndon“ (1975) drei Klassiker des obsessiven und exzentrischen Ausnahmekünstlers in einer Buch/DVD-Ausgabe neu aufgelegt worden. Die Filme wurden remastert und auf knapp 100 Seiten führen Essays und Interviews, die mit reichlich Filmstills und Set-Aufnahmen aufbereitet wurden, prägnant in den Kosmos des jeweiligen Werkes ein. Ein großes Schauerlebnis im Schallplattenformat, das durch die beigelegten Original-Filmplakate noch erhöht wird.

Die conditio humana ist eine zentrale Frage im äußerst vielschichtigen Werk Kubricks: Was ist der Mensch? In seinem wohl umstrittensten Film „Uhrwerk Orange“ („A Clockwork Orange“) gibt der britische Regisseur eine vernichtende Antwort: Der Mensch ist eine bösartige, gewalttätige Bestie. In einer nahen Zukunft: Mit seinen „Droogs“ hat der dämonische Alex (Malcom McDowell) „Bock auf Ultra-Brutales“. Da werden Obdachlose zusammengeschlagen, Frauen vergewaltigt und sogar getötet. Eine Glorifizierung der Gewalt, die Kubrick hemmungslos und extrem artifiziell in Pop-Art-Ambiente zeigt, wurde ihm oft zum Vorwurf gemacht.

Ähnlich bitter gestaltet sich der Sciene-Fiction-Klassiker „2001 – Odyssee im Weltraum“, der visuell ganz neue Maßstäbe gesetzt hat und in weiten Teilen auf Sprache verzichtet. Nachdem zu den erhabenen Klängen von Richard Strauss’ „Also sprach Zarathustra“ die Sonne aufgegangen ist, rückt eine Affenherde ins Bild, deren Anführer zum Mörder wird.

Es folgt der legendäre Schnitt von einem in die Luft gewirbelten Knochen zu dem im All schwebenden Raumschiff. Eindrucksvoller kann man Zeit und Raum nicht überbrücken. Die „Discovery“ ist auf dem Weg zum Jupiter, nur Computer HAL kennt den Grund der Mission. Während die Menschen den Anforderungen des Raumfluges eigentlich nicht mehr gewachsen sind, ist HAL der Einzige, der menschliche Gefühle zeigt. Ist in der Zukunft die Maschine der bessere Mensch?

Wie aus der Ordnung Chaos entsteht – das ist ein Band, das die Science-Fiction-Trilogie „Dr. Seltsam oder wie ich lernte die Bombe zu lieben“, „2001“ und „Uhrwerk Orange“ zusammenhält. Wie aber passt da der Historienfilm „Barry Lyndon“ hinein, der bei seinem Erscheinen nicht die ganz große Aufmerksamkeit bekommen hat, die er eigentlich verdiente.

In all seinen Filmen ginge es ihm darum, „etwas Relevantes über das menschliche Leben“ zum Ausdruck zu bringen, meint der US-Regisseur. „Barry Lyndon“ (DVD in OF), die Geschichte eines nicht immer sympathischen Emporkömmlings, der im 18. Jahrhundert auf eine abenteuerliche Reise geht, mag an manchen Stellen etwas langatmig sein. Die Bilder, die der anfängliche Fotograf Kubrick hier komponierte, sind von einer außergewöhnlichen Schönheit. Alle Szenen bei Kerzenschein wurden ohne Kunstlicht gedreht – und geben dem Film ein ganz außergewöhnliches Leuchten. Auch dies ein Meisterwerk. dpa