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Im Test Der Range Rover präsentiert sich mit einem neu entwickelten Reihensechszylinder und Mild-Hybrid-Unterstützung

Ein Großer wird genügsamer

Archivartikel

Kronberg.Nein, nur um einen erhöhten Pulsschlag am Frühstückstisch zu vermeiden! Nein, der Range Rover ist kein SUV! Er ist ein Geländewagen – und zwar ein luxuriöser, eine S-Klasse für Abwege sozusagen. Und die würde er, wenn es darauf ankommt, mit Bravour meistern. 90 Zentimeter Watttiefe, 3,5 Tonnen Anhängelast und fast 30 Zentimeter Bodenfreiheit, wenn ihn die Luftfederung hochgepumpt hat – das schafft keiner von diesen Stadtgeländewagen.

Wenn der ehemalige James-Bond-Begleiter und das Alltagsauto der britischen Königsfamilie im kommenden Jahr 50 wird, muss er sich in der Laudatio zwar schon gefallen lassen, dass er ein Vorreiter dieser weichgespülten Helikopterelterntransporter ist. Denn das Konzept Luxus und Gelände verkörpert der Range Rover deutlich besser als beispielsweise die G-Klasse von Mercedes, die den Charme eines Arbeitstiers nie richtig ablegen konnte.

Dass es nicht nur heutzutage unvernünftig sein kann, mit einem 2,3-Tonnen-Trumm durch die Gegend zu fahren, steht außer Frage. Und dennoch gibt es einen kleinen und feinen Markt für den Range Rover. Und diese Leute haben mit ihm immer den richtigen Begleiter – ob mit Tweet-Outfit zur Jagd oder mit dem Smoking zur Pool-Party. Schon immer war es sehr exklusiv und irre teuer, einen Range Rover fahren zu dürfen. Auch heute, wo der Brite, der zum indischen Tata-Konzern gehört, schon in der Basisvariante die 100 000 Euro-Schallmauer beim Preis durchbricht.

Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an das Fahrzeug. Ist der Inneraum erklommen, umschmeichelt die Passagiere feinstes, dickes und wohlriechendes Leder. Nicht so etwas, was wie Plastik aussieht und sich so anfühlt. Selbstverständlich spiegelt sich die schiere Größe auch im Innenraum wider. Platz, soweit die Augen und die Bewegungsfreiheit reichen.

Entspanntes Reisen

Niemand kann ernsthaft auf die Idee kommen, sich den Koloss als praktischen Stadtflitzer zu kaufen. Vielmehr sind die Fahrten über Land oder Reisen seine Welt. Weit weg von Umwelteinflüssen wie holperigen Straßen oder störendem Lärm gleitet der Range Rover dahin. Und dabei kommt Überraschendes zutage. Die Landrover-Konstrukteure haben einen neuen seidigen Reihensechszylinder-Benziner entwickelt, der mit einen Mild-Hybrid-Antrieb und einem elektrisch angetriebenen Turboverdichter gekoppelt ist. Stattliche 400 PS machen den Range Rover leichtfüßig und in Gedenken an seine Vorgänger fällt der Blick auf die Tankanzeige eher scheu aus. Doch dann: Im Testbetrieb verbraucht der Range Rover 10,5 Liter Super. Für ein Fahrzeug dieser Größe ein hervorragender Wert. Da kann so mancher kleinere Wagen im Realbetrieb nicht mithalten. In schnellen Kurvenpassagen wiederum wäre der Range Rover schnell abgehängt. Er wird wankig, braucht das nicht.

Den Range Rover gibt es auch als Plug-in Hybrid, der einen Vierzylinder unterstützt. Er soll sich nur 3,3 Liter Benzin auf 100 Kilometer genehmigen. So könnte es auch mit dem 60. Geburtstag etwas werden.