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Einzigartiges Paradies im Süden des Salzburger Landes Die Region Lungau gilt als Geheimtipp für Naturliebhaber und Familien / Bewegungsvielfalt in traumhafter Landschaft / Gastgeber mit viel Herz

Ein Kraftplatz, der seinesgleichen sucht

Archivartikel

Wenn Sabine Lerchner sagt, sie habe den schönsten Arbeitsplatz der Welt, dann können Bergliebhaber ihr nur zustimmen. Steht sie auf der schönen Terrasse ihrer Branntweineralm (www.branntweineralm.at), blickt sie auf das weite Murtal, eingebettet in grüne Hügel und imposante Gipfel, die sogar jetzt noch – Ende Juni – zum Teil mit Schnee bedeckt sind.

Sabine Lerchner lebt in der Wintersaison und vom 1. Juni bis Ende September auf 1800 Metern inmitten des Unesco-Biosphärenparks Lungau am Fuße der Aineck, mit 2220 Metern eine der markantesten Spitzen des Nockgebiets an der Grenze zwischen Salzburg und Kärnten. An ihrem Fuß liegen die Orte St. Michael und St. Margarethen im Lungau. Diese österreichische Region fällt aufgrund der besser bekannten Nachbarn Obertauern und Katschberg schon mal durchs Raster, gilt bei Naturliebhabern und gerade für Familien jedoch als absoluter Geheimtipp.

Der Lungau kann aufgrund seiner 2012 erfolgten Unesco-Prämierung getrost mit dem Yellowstone Park in Nordamerika und den Galapagosinseln von Ecuador in einem Atemzug genannt werden: Die Landschaft ist wie aus dem Bilderbuch – einfach zum Verlieben! 15 malerische Orte auf 1000 Metern gelegen machen diese sonnenreichste Region Österreichs aus. Neben dem offenen Haupttal gibt es viele Seitentäler, die keinen Durchgangsverkehr haben. Lebensqualität steht hier im Einklang mit der Erhaltung alter Traditionen und die Pflege der eigenen Kultur. Genuss gepaart mit Regionalität gehört dazu. Und auf die setzt Sabine Lerchner auf der Branntweineralm. Seit 1779 gibt es die Hütte, die äußerlich ein uriges Holzhaus darstellt, im Inneren großzügig Platz bietet, ohne die Gemütlichkeit vermissen zu lassen. Neben einem größeren und einem kleineren Gastraum hat die Alm Übernachtungsmöglichkeiten (ab 54 Euro pro Erwachsener mit Halbpension). Hier oben ist es wunderbar ruhig, es weht ein Lüftchen, Insekten summen und Schmetterlinge fliegen einem um die Nase. Idylle pur! Im Winter liegt die Alm im Skigebiet Aineck/Katschberg (70 Pistenkilometer).

In familiärer Hand ist die Branntweineralm seit gut 300 Jahren, erzählt die 36-jährige Hüttenwirtin, die seit 15 Jahren die Geschicke lenkt. Die Eltern helfen mit, ebenso weitere Familienmitglieder und Angestellte. 60 Stück Vieh – über 30 Milchkühe, Pferde, Hasen und Schweine – müssen versorgt werden. Wer nicht so gut zu Fuß ist oder kleine Kinder hat, erreicht die Alm leicht von der Katschberghöhe aus (Aineckbahn, Sommerbetrieb 1. Juli bis 6. September, Sonntag bis Freitag, 9 bis 16 Uhr, Ermäßigung mit der Lungau-Card) auf einem kinderwagentauglichen Wanderweg (leichte sechs Kilometer). Bergfexe brechen zum Beispiel von St. Margarethen aus zu einer rund 17-Kilometer-Wanderung auf. Vom Gasthof Schlögelberger aus geht’s Richtung Bonner Hütte über die Leisnitz, den Teuerlnock mit Gipfelkreuz am Aineck – oder verkürzt über den Sackstadl – zur Branntweineralm und über den Alten Weg zurück. Sattgrüne Wiesen, Moore, traumhafte Wälder und lieblich plätschernde Gebirgsbäche sorgen auf der Runde für Abwechslung mit tollen Aussichten.

Sabine Lerchner ist Hüttenwirtin mit Herz. Was bei ihr auf den Tisch kommt, ist mit viel Liebe zubereitet und zwar mit Produkten aus der eigenen Almwirtschaft: Joghurt mit frischen Beeren zum Beispiel, Almkäse und Fleisch vom eigenen Vieh. Dem nicht genug: Sabine Lerchner bringt die Natur in allen möglichen Variationen auf die Teller. Als diplomierte TEH-Praktikerin (TEH steht für Traditionelle Europäische Heilkunde) hat sie das Kräuterwissen ihrer Vorfahren ins Jetzt geholt. Die Urgroßtante Thres (Therese) habe früher am Ofen gesessen und Kräutergeschichten erzählt, erinnert sich Lerchner. Als die Urgroßtante verstorben war, fand sie bei ihr ein Buch mit dem Titel „Echtes Kräutergold“. Sie tauchte in die Materie ein, machte eine TEH-Ausbildung. Ihr Wissen gibt sie gerne auf Anfrage in Workshops oder bei Führungen weiter.

Nach einer Wanderung zur Hütte – Autos müssen im Tal bleiben – überrascht sie die Gäste gern mit Erfrischungsgetränken aus selbst gemachten Sirups, etwa aus Löwenzahn (erinnert an Holunder) oder aus Zirbe (ähnelt dem Geschmack von Almdudler-Limo). Und dass die pfiffige Gastronomin aus Fichtenwipfeln nicht nur ein schmackhaftes Getränk, sondern auch feine Pralinen zaubern kann, davon sollte sich jeder selbst überzeugen. Übrigens: Bei Sabine Lerchner gibt’s sogar alkoholfreien Gin!

Bei schmackhaften Kräuterknödeln aus Löwenzahn, Schafgarbe und Thymian kommt man mit der sympathischen jungen Frau ins Plaudern und wer ihr von Wehwehchen erzählt, erhält von ihr Tipps oder auch gleich eine natürliche Hilfe in Form von Salben, Tinkturen, Tees, Salzen und Ölen – alles selbst gemischt. Fichtelwipfeltee etwa wirkt blutreinigend. Und das beste Mittel in ihren Augen gegen Husten ist Wipfelhustensaft: Fichtenwipfel und Kandiszucker werden abwechselnd eingelegt.

Wildtiere zum Anfassen

Die Menschen im Lungau leben vorrangig vom Tourismus und das, obwohl die Region nicht einmal in den Hauptferienzeiten überlaufen wirkt. Ruhig und dennoch quirlig, traditionell und erfrischend lebendig – so präsentiert sich der Salzburger Lungau nur gut 100 Kilometer von Salzburg entfernt. Ein großer Vorteil für das Urlaubsgebiet, so empfindet es Hans Sampl, sei das Klima. Auch in heißen Sommern sei es hier immer einen Tick frischer und so gerade die Nächte äußerst behaglich. Sampls Familie betreibt den Alpengasthof Schlögelberger oberhalb von St. Margarethen. Neben dem heimeligen Gasthof laden sieben freundlich gestaltete Almhütten ganzjährig zu einer besonderen Auszeit vom Alltag ein. Sampls Sohn Hannes und dessen Frau Kerstin betreiben mit den Töchtern Elisabeth und Leonie den Gastbetrieb „Almdorf Lungau“ in traumhafter Lage mitten im Wander- und Skigebiet (direkt an der Liftanlage). Seniorchef Hans Sampl, dessen Frau Maria und Sohn Mario unterstützen das Familienunternehmen. Hier oben, auf 1300 Metern, gibt es Urlaub der Extraklasse und mit einer ganz persönlichen Note. Dafür sorgt nicht nur die charmante Familie. Auch etliche Vierbeiner wirken mit: Zum Almdorf gehört nämlich ein einzigartiger Wildpark. Das Rotwild samt Zuchthirsch „David“ frisst den Besuchern sogar aus der Hand. Die sibirischen Sikahirsche schauen neugierig auf jeden Gast und die putzigen Alpensteinböcke schinden mit ihren Kletteraktionen Eindruck.

Der Hit sind jedoch die besonders kinderfreundlichen Alpakas: „Sir Wilhelm“, „Amadeus“ oder Baby „Everest“ beispielsweise erobern die Herzen im Flug und freuen sich über Streicheleinheiten. Hund, Katze und Hühner gehören natürlich auch zum Hof, ebenso Hochlandrinder. Bei den Sampls können sich die Gäste den Lungau im wahrsten Sinne des Wortes erleben. Hier ist nicht nur Herzlichkeit Trumpf, sondern auch geschmacklich hat die Region hier das Sagen. Empfehlung: Halbpension buchen (im Winter wegen des Pistenverlaufs am Haus Pflicht)! Da die Jagd in der Familie Tradition hat, gibt’s hier Schmankerl, die ihresgleichen suchen. Ein absolutes Gedicht: Hirschgulasch mit hausgemachten Spätzle! Übrigens: Auch Vegetarier erleben hier wahre Genussexplosionen.

Seit 2004 bieten die Sampls ihre Ferienhäuser an. Zu denen mit zwei Schlafzimmern kamen 2011 noch Chalets mit drei Schlafzimmern (und drei Bädern) hinzu. Im Gegensatz zu anderen Regionen Österreich ist hier das Preis-Leistungsverhältnis sehr gut, um nicht zu sagen: günstig. Zur warmen Jahreszeit gibt es die Häuser mit zwei Schlafräumen, zwei Bädern, Küche und Aufenthaltsraum sowie Infrarotkabine ab 120 Euro pro Tag! Sogar einen Wellnessbereich bieten Sampls an – öffentlich nutzbar und auch privat buchbar. Selbst hier dominiert das Ursprüngliche: Altholzelemente treffen auf Funktionalität gepaart mit traditionellen Einflüssen.

Familie Sampl hat noch viele Ideen, um Gäste zu begeistern. So soll das Frühstück per Korb zu den Chalets gelangen, um das Hüttenflair perfekt zu machen. Ins Wildgehege soll eine Art Brücke kommen, damit Kinder die Tiere noch näher erleben können. Wo sonst ist das in der Natur möglich?

Landwirt als Qi-Gong-Lehrer

Aber noch etwas macht den Alpengasthof Schlögelberger zu etwas Besonderem. Nämlich Hans Sampl selbst. Oder kennen Sie einen Landwirt, der im Qi Gong seine Berufung gefunden hat? Das Leben im Einklang zu leben, spiegelt sich in der Familie, in der Arbeit mit den Tieren und in der Gastfreundschaft wider. Hans Sampl hat eine Ausbildung zum diplomierten Qi-Gong-Lehrer und eine zusätzliche Ausbildung, um die Energie im Körper zu harmonisieren, gemacht. In einem extra geschaffenen Raum in einem Chalet vermittelt er sein Wissen an Interessierte und verhilft zu Seelenheil und einem besseren Körpergefühl (auf Anfrage). Auslöser für das Interesse an der chinesischen Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform zur Kultivierung von Körper und Geist war eine Wirbelsäulenblockade bei Gattin Maria, erzählt Hans Sampl, der für Einheimische regelmäßig Qi-Gong-Stunden abhält. Mit seiner ruhigen, sonoren Stimme berichtet er mit einer spürbaren Begeisterung von den Konzentrations- und Bewegungsübungen und wirkt dabei mit sich und dem Leben im Reinen. Genau das in den Alltag mitzunehmen – zu entschleunigen – möchte er auch Gästen vermitteln.

Gefragt nach seinen persönlichen Kraftplätzen überlegt Sampl kurz. Die gäbe es überall, wenn man es nur zulasse. Jedoch in dem Quellengebiet, in dem er lebe, sei das Gebirgswasser etwas Besonderes: Es reinige und heile, ohne das man sich dies bewusst mache. Kraftplätze könne jeder für sich ausmachen. Für den einen ist es vielleicht die nahe gelegene Augustinkapelle mit dem rechtsdrehenden Wasser der dort entspringenden Quelle. Für andere der Gipfel eines Berges. Oder eben eine Alm, wie die von Sabine Lerchner. Letztlich muss das aber jeder für sich selbst herausfinden.

Der Lungau ist mit Sicherheit ein perfekter Ort dafür.