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Autoversicherung Wie man vorgeht und welche Tarifmerkmale teuer sind / Kündigungsfrist für alten Vertrag ist der 30. November

Ein Versicherungs-Wechsel kann sich lohnen

Archivartikel

Berlin.Genügend Versicherungen kennen bei den Beiträgen nur eine Richtung: nach oben. Eine schöne Ausnahme ist die Autoversicherung. Bei der können viele Verbraucher jedes Jahr sparen. Zum einen, weil es ganz simple Wege gibt, den eigenen Vertrag zu optimieren. Zum anderen, weil die Anbieter jeden Herbst frische Tarife auf den Markt werfen, um neue Kunden zu gewinnen – viele davon auch preiswerter als im Vorjahr. Wer jedoch nur auf Werbebotschaften und Rabatte schielt, kommt nur vermeintlich günstig weg. Wichtiger ist ein guter Vergleich. Wie Autofahrer den am besten anstellen, hat der Geld-Ratgeber „Finanztip“ in einer Studie untersucht.

Sehr viele Merkmale

Es gibt nicht die eine Versicherung, die für alle Kunden die günstigsten Tarife hat – oder den einen für jeden passenden Vertrag. Denn der Preis in der Autoversicherung setzt sich aus sehr vielen Merkmalen zusammen, die sich zudem von Anbieter zu Anbieter unterscheiden. Wohnort, Autotyp, aber auch der Fahrer selbst spielen mit hinein. Der klügste Weg zum besten Tarif ist daher, so viele Versicherungsverträge wie möglich miteinander zu vergleichen – bei geringem Aufwand.

Um den richtigen Weg zur besseren Autoversicherung herauszufinden, haben die Experten von Finanztip Angebote für 32 unterschiedliche Musterkunden auf mehreren Portalen und bei Direktversicherungen abgefragt. Das Ergebnis: Die günstigsten Angebote finden Versicherte in diesem Jahr, wenn sie zwei Abfragen machen. Die erste auf einem Vergleichsportal und die zweite bei einem Direktversicherer.

Konkret sollten Versicherte zunächst online auf den Portalen Verivox oder Check24 eine Liste mit den günstigsten Tarifen abfragen. Und sich dann – ebenfalls online – noch ein Angebot von Huk24 einholen. Laut Finanztip ist es wichtig, beide Abfragen durchzuführen. Denn der Direktversicherer Huk24 ist seit einigen Jahren nicht mehr auf den gängigen Vergleichsportalen vertreten, hält aber erfahrungsgemäß oft günstige Angebote bereit.

Nur bei der Huk24 nachzuschauen, ist jedoch ebenso wenig ratsam: Denn der Anbieter hat zwar oft günstige Preise – „oft“ heißt aber nicht immer. Und laut der „Finanztip“-Untersuchung kann es bei der Huk24 auch zu deutlichen Preisaufschlägen kommen. Dieses Risiko können Versicherte bei dem Gegencheck auf dem Vergleichsportal ausschließen. Für die Suche nach einem neuen Versicherungsvertrag ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Denn bald schon muss man handeln, um noch aus dem alten Vertrag fristgemäß zu wechseln. Die meisten Versicherten können zum Ende des Jahres aus ihrer Kfz-Versicherung raus. Weil es aber eine Kündigungsfrist gibt, muss die Kündigung dafür bereits spätestens am 30. November bei der bisherigen Versicherung eintreffen.

Nicht nur auf den Preis achten

Ein Wechsel ist ebenfalls möglich, wenn die Versicherung den Beitrag erhöht – dann haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn das Auto in eine teurere Typklasse eingestuft wird oder der Wohnort in eine höhere Regionalklasse rutscht. Versicherte erfahren so etwas in der Regel per Brief – und solche Änderungen wirken sich meist zum Jahreswechsel aus. Doch oft braucht es nicht mal eine außerordentliche Kündigung: Für ganz viele Versicherte liegt auch der Termin für eine ordentliche, turnusmäßige Kündigung Ende Dezember.

Bei der Suche nach günstigen Tarifen dürfen Autofahrer nicht nur auf den Preis achten. „Finanztip“ hat Mindestkriterien ausgemacht, die jeder Tarif einhalten sollte: Deckungssummen über die gesetzliche Mindestdeckung hinaus (50·Millionen oder 100 Millionen Euro), Mallorca-Police inklusive, Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit, Marderbisse mit Folgeschäden sowie Zusammenstoß mit Tieren aller Art. Auch der „Finanztip“-Untersuchung liegen nur Verträge mit diesen Standards zugrunde.

Richtig sparen hingegen können Versicherte vor allem mit den folgenden fünf Tipps.

Betrag auf einen Schlag zahlen: Eine Umstellung von monatlicher auf jährliche Zahlung hat in der „Finanztip“-Studie im Schnitt fast zehn Prozent Beitragsersparnis gebracht.

Raus aus der (Voll-)Kasko: Meist lohnt eine Vollkasko in den ersten drei bis fünf Lebensjahren eines Wagens. Danach sollten Versicherte über einen Wechsel in die günstigere Teilkasko nachdenken. Später geht es dann in die noch preiswertere Haftpflicht.

Selbstbeteiligung vereinbaren: In der Teilkasko konnten die Experten durch 150 Euro fast 20 und durch 300 Euro Selbstbeteiligung 25 Prozent der Beiträge reduzieren.

Fahrerkreis klein halten: Darf jeder das Auto fahren – schlimmstenfalls ohne Altersgrenze –, kann das teuer werden. Fahranfänger verdoppelten die Beiträge laut Studie gar.

Fahrleistung realistisch einschätzen: Im Schnitt zehn Prozent Ersparnis waren möglich, wenn 5000 Kilometer weniger veranschlagt wurden. Wer dann überraschend doch mehr fährt, kann Kilometer unkompliziert nachmelden.

Das Fazit: Egal ob es ein Familiennachlass ist, der aktuell heiß beworbene Rabatt für E-Autos oder ein Abzug durch Telematik: Wer sich allein von solchen Angeboten verführen lässt, der zahlt im Zweifel drauf. Vor dem Absahnen von Rabatten sollten Verbraucher dringend einen ordentlichen Vergleich inklusive Gegencheck anstellen.