Seite 1 - MM

Geschichte

Einblick in die Zeit Johannes Keplers

Unter den vielen Hexenprozessen im Deutschland der frühen Neuzeit sticht einer in seiner Prominenz hervor. Es ist der Prozess gegen Katharina Kepler, Mutter des Astronomen Johannes Kepler (1571-1630). Er ist nicht nur besonders gut dokumentiert, sondern auch deshalb herausragend, weil der berühmte Sohn die Verteidigung seiner alten Mutter übernahm und sie letztlich vor Folter und Scheiterhaufen bewahrte.

Die Historikerin Ulinka Rublack hat mit „Der Astronom und die Hexe. Johannes Kepler und seine Zeit“ ein bewegendes Buch im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Aberglaube geschrieben. Es gelingt ihr das Porträt einer starken und mutigen Frau, die es weder als Gattin eines unzuverlässigen, oft abwesenden Ehemannes noch später als Witwe leicht hatte. Sichtbar wird eine Gesellschaft, die Frauen starren Regeln unterwarf und vor allem älteren Frauen misstrauisch und ungerecht begegnete. Häufig wurden gerade sie der Hexerei verdächtigt. Ein klarsichtiges Buch, das sich streng an den Quellen orientiert (Klett-Cotta Verlag, Stuttgart. 409 Seiten, 26 Euro). dpa