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Personalie Die Autorin Antje Herden erhält am Sonntag für ihr Jugendbuch „Keine halben Sachen mehr“ den Peter-Härtling-Preis

Eine meisterhafte und glaubwürdige Erzählerin

Archivartikel

Weinheim.Der mit 3000 Euro dotierte Peter-Härtling-Preis, der vom Weinheimer Verlag Beltz & Gelberg ausgelobt wird, geht in diesem Jahr an Antje Herden. Die Jury um Tilman Spreckelsen wählte ihr Jugendbuch „Keine halben Sachen mehr“ aus den anonym eingereichten Texten aus. Das preisgekrönte Manuskript wird im Programm Beltz & Gelberg veröffentlicht. Die Preisverleihung findet am Sonntag in Weinheim statt.

Im Buch von Antje Herden geht es um den fünfzehnjährigen Robin, der wütend ist auf alles, am meisten auf sich selbst. Ob in der Schule, mit Freunden oder zu Hause: Nie fühlt er sich hundertprozentig richtig, stattdessen ist alles ein „Fast“. Kein Wunder, dass sein sehnlichster Wunsch ist, „keine halben Sachen“ mehr zu machen. Dann lernt er den geheimnisvollen Leo kennen, der so cool und selbstsicher ist, wie es Robin gern wäre. Leo ist es, der ihn zum Kiffen bringt und mit dem er im Stadtpark bei den „Goajungs“ rumhängt, wo sie die schöne Karla kennenlernen. Mit Leo kann Robin trinken, träumen, reden. Sie nennen es „Bewusstseinserweiterung“ und genießen die „Schönheit des irrsinnigen Moments“.

Doch dann kommen andere Drogen dazu, Speed, Ecstasy. Und schließlich der Absturz, der mit einem gewaltigen Filmriss endet und in dem sich Leo zugleich als Verführer und Retter erweist. Die Jury um den Vorsitzenden Tilman Spreckelsen zu den Gründen für die Wahl 2019: „Meisterhaft und äußerst glaubwürdig erzählt Antje Herden, wie sich ein Junge auf der Suche nach dem richtigen Leben in einer Parallelwelt verliert. Diese Erzählung vermeidet glücklicherweise jeden pädagogischen Eifer. Sie nimmt ihre Protagonisten ernst und konfrontiert sie zugleich mit einer klaren Haltung, die aus der Geschichte heraus erwächst. Ungeheuer nuanciert und konsequent aus der Sicht von Robin erzählt, der seine Selbstironie nie verliert, führt Antje Herden den Leser durch ein echtes Leben mit einem glänzend entworfenen, fulminanten Ende, das alles auf den Kopf stellt.“

Über die Autorin heißt es: Antje Herden, geboren 1971 in Magdeburg, begann nach einem Studium der Architektur zu schreiben: Romane, Kurzgeschichten oder Reportagen. Seit 2010 schreibt Herden vor allem Kinderbücher, unter anderem „Julia und die Stadtteilritter“ (Gulliver, 2016). Im Jahr 2003 gehörte sie zu den Finalisten der deutschen Poetry-Slam-Meisterschaft (German National Poetry Slam). Antje Herden lebt mit ihrer Familie in Darmstadt.

Der Peter-Härtling-Preis für unveröffentlichte Kinder-und Jugendbuchmanuskripte wird seit 1984 alle zwei Jahre von Beltz & Gelberg ausgeschrieben. Er ist mit 3000 Euro dotiert und wird in Weinheim verliehen. Das preisgekrönte Manuskript wird im Programm Beltz & Gelberg veröffentlicht. Unter den früheren Preisträgern sind Martina Wildner, Gabi Kreslehner, Salah Naoura und Regina Dürig.

Die Jury des Peter Härtling-Preises 2019 besteht aus Tilman Spreckelsen (Redakteur Frankfurter Allgemeine Zeitung, Jury-Vorsitz), Martina Wildner (Autorin), Ramona Lenz (Buchhändlerin), Christian Demandt (Literaturvermittler und Lehrer) sowie Barbara Gelberg (Lektorin Beltz & Gelberg). red