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Weinheim Jörg Bothe hat Gespräche und Erfahrungen zum Thema Vertrauen zu einem kleinen Buch zusammengefasst

Eine unsichtbare Lebenskraft

Es ist kein Ratgeber und erhebt auch nicht den Anspruch einer philosophischen Abhandlung, aber das kleinformatige, knapp 80 Seiten starke Büchlein mit dem Titel „Ihr persönliches Vertrauensbuch“ gibt Anregungen zur Selbstreflexion bei einem Gefühl, das uns von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter begleitet.

Und tatsächlich: „Die über 80 Menschen, mit denen ich über das Thema Vertrauen gesprochen habe, waren zwischen 15 und 82 Jahre alt“, sagt Jörg Bothe. Das Spektrum der Befragten reichte vom Hartz-IV-Empfänger bis zum Vorstandsvorsitzenden eines Unternehmens.

Der Autor erlebte als Berater von Geschäftsführern und Unternehmern in seinem Beruf die Wirkung von Vertrauen oder Vertrauensverlust, und schließlich sammelte sich auch im Freundeskreis und im Leben des 55-Jährigen so einiges an Erfahrungen zum Thema an.

Seinen Betrachtungen stellt der aus Barsinghausen bei Hannover stammende und seit 2010 in Weinheim lebende Jörg Bothe vier Beziehungsebenen voran: Er bezeichnet die Bereiche „mein Leben“, „Partnerschaft“, „Kinder“ und „Business“.

Auf allen Ebenen spielt Vertrauen eine wichtige Rolle. Wer es, wie die befragte Melanie aus Bothes Buch, als ein Urgefühl bezeichnen kann, hat eine wichtige Kraft in sich, die den Menschen auch durch manches Seelentief führen kann. Aber: „Vertrauen rennt aus dem Raum, wenn Ehrlichkeit nicht mit hineingenommen wurde“, heißt es an einer anderen Stelle des Büchleins, das Bothe im selbst gegründeten JoeBo-Verlag herausgibt.

Selbstvertrauen und Urvertrauen

„Das Vertrauen ist scheu wie ein Reh und kann stark wie ein Elefant sein“, schreibt er. Wer seinen Mitarbeitern Vertrauen entgegenbringt, erhält auf Dauer bessere Ergebnisse und Leistungen als in einem Betriebsklima, in dem Misstrauen herrscht. Bothes Buch lädt dazu ein, ab und zu mal in ihm zu blättern und sich etwas zum Thema herauszugreifen – auch zum Selbstvertrauen und Urvertrauen, das in früher Kindheit wachsen, aber auch leicht zerstört werden kann wie eine zarte Pflanze, die gegossen und gedüngt werden will.

„Vertrauen ist das Einverständnis, enttäuscht werden zu können“, heißt es im Buch unter dem Abschnitt „Vertrauen in der Partnerschaft“. Von diesen Sätzen gibt es einige in diesem Buch – Sätze, die innehalten lassen und einige Gedanken in Gang setzen.

Auch in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist Vertrauen ein ganz besonders wichtiges Gut. Ohne diese unsichtbare Triebfeder bekommt sogar Erziehung Risse, denn mit dem Vertrauen des Kindes zu den Eltern steigt auch die Bereitschaft, Vereinbarungen mit den Eltern einzuhalten und ihnen zu folgen. Fast schmerzhaft schildert Bo-the, wie der Vater nicht, wie versprochen, zum Fußballspiel seines Sohnes kommt, weil es ein Auftrag im Büro verhindert – das liest sich nach Selbsterlebtem.

Jörg Bothe lädt am Freitag, 15. November, um 17 Uhr zu einer Lesung aus seinem Buch mit Diskussion zum Thema in die Patisserie Mendel in der Hauptstraße 56 in Weinheim ein. Titel des Abends: „Kontrolle ist gut – Vertrauen ist besser!“ dra