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Liebfrauenschule 3 Eigenproduktion der „Theater AG der Großen“

Es geht um Macht, Geld, Freiheit, Glück

Archivartikel

Bensheim.Macht, Geld, Weltherrschaft, Freiheit, Glück – um weniger geht es nicht bei dem dystopischen Stück „Macht macht mächtig! Euer Ernst?“, einer Eigenproduktion der „Theater AG der Großen“ an der Liebfrauenschule. Die Handlung spielt im postdigitalen Zeitalter.

Klimakatastrophen und Kriege waren dabei gewesen die Welt zu zerstören, doch obwohl sie es erkannt hatten, machten die Menschen weiter wie bisher. Da brachte eine Frau – „gütig, begabt und einzigartig“ – die Alleinherrschaft an sich und rettete die Welt.

Seitdem gibt es keine Probleme mehr. Die Menschen müssen nicht mehr denken. Es wird für sie gesorgt. Bei einem anmutigen Tücherreigen verkünden sie, was ihnen die Herrscherin eingeredet hat, obwohl sie noch nicht mal eigene Namen haben, sondern nur Nummern sind: Jeder einzelne ist wertvoll, wichtig, wunderbar und erhaben.

Derart eingelullt und manipuliert erfüllen sie die ihnen zugewiesenen Aufgaben und arbeiten tagein tagaus in der Marzipanrosenerschafferkolonie oder der Papierfaltschachtelerweckerkolonie, ohne etwas über weitere Zusammenhänge zu wissen. Alles scheint friedvoll und einfach. Doch darf die Bevölkerung nicht mehr als eine Million Menschen umfassen, damit alles funktioniert.

Wer muss sterben, wer darf leben?

Und so kommt es ab und an zu notwendigen Reduktionen. Doch nach welchen Kriterien wird entschieden, wer sterben muss und wer leben darf? Nach Alter? Nach Schönheit, wie es die Herrscherin zunächst für eine gute Idee hält? Nein, raffinierter: Die Menschen sollen selbst wählen, allerdings ohne zu wissen, worum es geht. Sie können sich zwischen zwei harmlos aussehenden Pillen entscheiden. Rosa oder weiß, das ist die Frage.

Und plötzlich befindet sich das Publikum mitten im Spiel: Jeder muss aus den im Zuschauerraum angebotenen Schokolinsen selbst eine Wahl treffen. Wer rosa wählt, stirbt, so stellt sich heraus. Die Weltherrscherin muss nicht befürchten, dass das faule Spiel auffliegt, denn es gibt keine Medien mehr, die über die Häufung unerwarteter Todesfälle berichten könnten.

Ausgang bleibt offen

Doch gibt es eine Untertanin, die nicht zufrieden ist und es wagt, die Dinge in Frage zu stellen. Offiziell für eine ehrenhafte Sonderaufgabe ausgewählt, wird sie deshalb abgeführt und mit Folter bedroht.

Sie kann fliehen und versucht, die anderen Menschen zu überzeugen, dass etwas geschehen muss. Begleitet wird die Handlung von der Figur der Weisheit und dem Erklärbären. Mit Zitaten aus der Geschichte der Philosophie von Heraklit bis Kant zeigt sich die eine dem Schicksal Menschen gegenüber indifferent – „Die Welt dreht sich weiter“ – während der andere als Anhänger der Aufklärung um das Glück der Menschen besorgt ist: „Es muss doch möglich sein, das Menschen frei leben und nicht aufhören, Fragen zu stellen!“

Bestechend ist der offene Ausgang des Stücks: Alles scheint weiter zu gehen wie zuvor – oder ist doch wenigstens ein Zweifel gesät? eba