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Im Test Der Supersportler Chevrolet Camaro darf ab 1. September nicht mehr neu zugelassen werden

EU-Abgasnorm stoppt den Amerikaner

darmstadt.Der Chevrolet Camaro lässt die Muskeln spielen. Das erwarten seine Fans vom Prototyp des US-Muscle-Car. Die Kriterien, die der amerikanische Supersportler dabei zu erfüllen hat, sind ein fetter Motor mit entsprechenden Geräuschen zu einem relativ günstigen Preis. Das weckt Emotionen und unterschiedliche Reaktionen zwischen der glühenden Verehrung eines Autoenthusiasten und der Ablehnung eines Bürgers mit ausgeprägtem Umweltbewusstsein. Wenn 453 PS röhren und bei der Stadtfahrt fast 19 Liter Benzin pro 100 Kilometern verbrennen, dann hat das mit Nachhaltigkeit auch wenig zu tun.

All diejenigen, die diesbezüglich ihre Vorbehalte äußern, werden mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen, dass Neuwagen von Chevrolet Camaro V8 sowie Corvette C7 schon in Kürze aus dem Programm in Europa gestrichen werden. Die Fahrzeuge scheitern an den neuen Abgas- und CO2-Grenzwerten der EU. Euro 6 b reicht dann nicht mehr. Verlangt wird die Euro-Norm 6d-Temp. Das bedeutet, dass die US-Sportler in Europa nur noch bis zum 31. August geordert werden können.

Schweiz macht Ausnahme

René Kreis, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei Cadillac und Chevrolet von Europa, bestätigte auf Anfrage dieser Zeitung, dass der Camaro aufgrund von Euro 6d temp ab dem 1. September nicht mehr zugelassen werden kann. „Bereits zugelassene Wagen können weiter verkehren bzw. weiterverkauft werden“, ergänzt der Sprecher. Eine Ausnahme macht die Schweiz. In dem Nicht-EU-Land, zweitgrößter Markt der Marke in Europa, kann der Camaro weiterhin neu zugelassen werden.

Das Aus kommt just zu dem Zeitpunkt, zu dem der US-Sportler europäischer denn je ausgefallen ist. Das Fahrwerk wurde bei der sechsten Generation für die engeren Straßenverhältnisse unseres Kontinents angepasst. Mehr europäische Präzision als amerikanische Lässigkeit bedeutet ein agileres Handling, eine kinderleichte Führung und mehr Spaß in den Kurven. Zu höherem Fahrkomfort und besserem Lenkverhalten hat auch eine elektronische Dämpferreglung beigetragen, die die Straßen- und Fahrbedingungen liest, um die Dämpfer automatisch anzupassen.

Das Fahrzeug ist als Coupé oder Cabriolet erhältlich. In 20 Sekunden ist der Amerikaner oben ohne. Per Knopfdruck verschwindet das Stoffverdeck im Schacht. Zuvor muss der Fahrer den Kofferraum manuell mit einer Abtrennung verkleinern. Was bleibt, ist ein winziges Gepäckabteil. Seine Habseligkeiten kann man aber in der zweiten Reihe deponieren, wo der Platz zum Sitzen aufgrund zu geringer Beinfreiheit eh kaum taugt.

Gespart wurde auch an Knöpfen. Die vorderen und hinteren Scheiben teilen sich je einen Hebel. Das ist gewöhnungsbedürftig. Den Camaro gibt es mit einem 2,0-Liter-Turbomotor mit 275 PS sowie dem Achtzylinder, der 453 PS abruft und ein Drehmoment von 617 Nm liefert. Der 6,2-Liter-V8 schießt in 4,6 Sekunden auf die 100-Kilometer-Marke bis auf eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Im Vergleich zu deutschen Supersportlern ist das Camaro Cabriolet mit 57 600 Euro relativ günstig.

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