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Roman Debüt der US-Amerikanerin Fatima Farheen Mirza

Familie – Hölle und Paradies zugleich

Archivartikel

Der Roman beginnt, wie Familienromane gewöhnlich beginnen: Zu einer Hochzeitsfeier in den USA reisen alle Familienmitglieder und Verwandte an, und sogar der vor drei Jahren im Streit ausgezogene Sohn lässt sich sehen. Und damit setzen die Erinnerungen ein, werden alte Verletzungen wieder spürbar und brechen verdrängte Gefühle auf. Die mühsam erreichte Balance innerhalb der Familie gerät ins Wanken, und jede der Figuren dieses Romans muss sich Irrtümer, Missverständnisse, Neid, Eifersucht, Jähzorn oder falschen Ehrgeiz vorwerfen lassen.

Fatima Farheen Mirza heißt die 28-jährige Autorin aus Kalifornien, die derzeit in New York als Juniorprofessorin Kreatives Schreiben lehrt. „Worauf wir hoffen“ ist ihr erster Roman, an dem sie acht Jahre gearbeitet hat. Zunächst während eines angefangenen Studiums der Medizin, dann im Rahmen ihres abgeschlossenen Studiums von Kreativem Schreiben und schließlich als Stipendiatin des renommierten Iowa Writers Workshops, der ihr den Weg an die Öffentlichkeit bahnte.

In Mirzas Roman „Worauf wir hoffen“ scheint sich alles um den Sohn Amar, das jüngste Kind der Familie, zu drehen. Er ist etwas eigen und will so gar nicht in die Schablone dessen passen, was von dem Sohn einer muslimischen, indischstämmigen Familie erwartet wird. Seine ältere Schwester Hadia bemuttert ihn, die jüngere Schwester Huda beneidet ihn; Vater Rafik macht ihm Vorwürfe, und Mutter Laila verteidigt und steuert ihn. Zuletzt kommt es zu einem brutalen Streit, und Amar verlässt die Familie.

Fatima Farheen Mirza erzählt in einem behutsamen Tempo. Unaufgeregt und mit Blick für Details sowohl der Schauplätze wie Seelenlandschaften. Und auf dieser zweiten Ebene stellen sich Spannung und Dramatik ein, berühren Emotionen, werden die Figuren vertraut. Da geht es um nicht eingestandene Rivalitäten, Anschuldigungen und um den ewigen Selbstbetrug, für andere nur das Beste zu wollen.

Tückische Missverständnisse

Mirza erzählt nicht chronologisch, sondern schildert aus den Augen der verschiedenen Protagonisten. Mal weiß man als Leser daher mehr als die Erzählerfiguren, aber zumeist sitzt man denselben Irrtümern und Missverständnissen auf wie diese. Erst am Ende zeigt sich, dass alles anders war. Das letzte Wort hat der Vater, der einzige, der in Ich-Form spricht. Mittels eines dramaturgischen Kunstgriffs erzählt er aus einer in die Zukunft verlagerten Rückblicksperspektive – und was er sagt, macht Mut. Wovon er spricht? Von Sehnsucht und Hoffnung, von Mut und Verzweiflung –und davon, dass er nur einen Wunsch hat: Seinen Sohn Amar zumindest einmal noch zu sehen, bevor er sterben wird. Und damit gibt Rafik der größten menschlichen Hoffnung eine Chance: Dass am Ende doch alles gut wird.