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Heidelberger Literaturtage

Festival für Vielfalt und Freiheit

Heidelberg.Am Anfang stand ein „Loblied auf Handschuhsheim“ – provinziell präsentieren sich die damit eröffneten Heidelberger Literaturtage aber keineswegs. Das Festival findet noch bis morgen (Sonntag) erneut an geschichtsträchtiger Stelle, dem Universitätsplatz, statt. Der symbolische Charakter ist unverkennbar: Wo vor 86 Jahren Bücher brannten, wird heute die Freiheit der Literatur gefeiert.

An die unrühmliche Geschichte erinnerte gestern Abend eine Gedenkveranstaltung, bei der Gedichte der im Dritten Reich verfolgten Lyrikerin Nelly Sachs verlesen wurden. Thematisch setzt man erneut auf Freiheit und Vielfalt. Slam-Poet Philipp Herold präsentierte ein Werk, das „ein Feuer im Herzen der Zuschauer entfachen“ sollte – was anscheinend weitgehend gelang.

Gebärdensprachpoet Jürgen Endress drückte Versmaß, Reim und Rhythmus bei dem Gedicht „Die wunderschöne Rose“ nicht durch das gesprochene Wort, sondern durch kreative Gestik und Mimik aus. Ohnehin scheint den Organisatoren wieder ein interessantes, abwechslungsreiches Programm gelungen zu sein.

Vom Gespräch mit Dante-Preisträger Habib Tengour über Diskussionen zum Kulturgut Buch bis zu Poesie der Sinti und Roma ist eine vielfältige Mischung entstanden. Auch die Zukunft sieht positiv aus: Nachdem das Festival 2016 vor dem Aus stand, ist dank einer Budgeterhöhung der Stadt der Fortbestand gesichert. Norman Wursthorn

Info: www.heidelberger- literaturtage.de