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Weinheim Stadt plant Informationskampagne

„Gärten ohne Grün sind Schotter“

Archivartikel

Sie sind weder schön noch natürlich noch umweltfreundlich, aber sie kommen leider immer öfter vor: Hausgärten, in denen blühende Pflanzen Mangelware sind. Kieselsteine anderes „totes“ Material, sauber angeordnet, vielleicht sogar farblich komponiert. Der einzige Vorteil, den man sich vorstellen kann: solche pflanzenfreien Gärten, im Volksmund Schottergärten genannt, machen dem Hausbesitzer wenig Arbeit. Aber die Bemühungen, vor Ort durch lokale Aktivitäten Klimaschutz voranzutreiben, werden durch solche Gärten (die eigentlich keine sind) regelrecht untergraben.

Ökologische Gestaltung

Die Stadt Weinheim will noch in diesem Jahr eine Informationskampagne für umweltfreundliche Hausgärten starten. Das hat jetzt Bürgermeister Torsten Fetzner, selbst überzeugter Hobby-Gärtner, bekräftigt. Unter anderem ist geplant, eine Broschüre zu erstellen, in der positive Beispiele einer ökologischen Gartengestaltung aufgeführt sind. Vorgesehen ist auch eine Informationsveranstaltung zur Gestaltung und Pflege von schotterfreien Vorgärten, möglichst in Zusammenarbeit mit Umweltschutzverbänden und den Obst- und Gartenbauvereinen.

Fetzner will sich auch dafür einsetzen, dass im Gemeinderat über die Möglichkeit gesprochen wird, den Kauf bestimmter Pflanzmodule zur Anlegung von naturgerechten Vorgärten zu bezuschussen; eine Lieferung soll durch den örtlichen Gartenbauhandel möglich sein. Denkbar wäre es auch, eine Zertifizierung von Gartenbaubetrieben, Landschaftsbaubetrieben und Landschaftsgärtnern mit dem Label „Schotterfreies Gärtnern“ durch die Stadt Weinheim. „Aufklären statt bestrafen“ lautet die Linie des Bürgermeisters, der die Ursachen nicht in der Rechtslage sehen will und daher davor warnt, zum Beispiel mit Vorschriften und Sanktionen gegen „Schottergärten“ vorzugehen.

Kein Verbot

Aus Sicht der Stadt bedürfe es keines Verbotes von Schottergärten, da diese nach den rechtlichen Festlegungen in der Landesbauordnung (LBO) ohnehin nicht erlaubt seien. Die Aufnahme eines entsprechenden Paragrafen in die schriftlichen Festlegungen eines Bebauungsplanes, so Fetzners Befürchtung, wären sogar kontraproduktiv, da der Eindruck entstehen könnte, nur in den entsprechenden Bebauungsplangebieten sei das Anlegen von Schottergärten verboten. „Sie sind es aber laut LBO auf allen unbebauten Flächen“, erklärt er und verweist auf einen Paragrafen in der Landesbauordung, in dem definiert ist: „Die nicht überbauten Flächen der bebauten Grundstücke müssen Grünflächen sein, soweit diese Flächen nicht für eine andere zulässige Verwendung benötigt werden.“ red