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Weinheim Jan Lindqvist stellt in „Muddy’s Club“ zusammen mit Armin Rühl und Wolfy Ziegler seine CD „Superkarma“ vor

Gediegen vor sich hinplätschernde Klangmelange

Mit geschlossenen Augen ist der angebliche deutsche Winter weit, weit weg. Jan Lindqvist zaubert in „Muddy’s Club“ auf seiner Gitarre mal fernöstliche Klänge, mal Riffs aus den amerikanischen Südstaaten, mal Blues-Melodien, die bestens in ein Wohnzimmer mit loderndem Kaminfeuer passen. Gute-Laune- und Heile-Welt-Musik pur, die irgendwann allerdings gefühlt zur Dauerschleife wird, weil die Ecken und Kanten fehlen.

Für seinen Auftritt im Gewölbekeller hat sich der „alte Schwede“ in der Kurpfalz zwei absolute Cracks als Sidekicks geholt. Zum einen den Dauerplauderer Armin Rühl am Schlagzeug, der auch für Herbert Grönemeyer die Stöcke schwingt und dem Lindqvist praktisch komplett die Moderation überlässt. Dass der Drummer ihn lobt und ein ums andere Mal damit recht hat, zweifellos recht hat, zeigt Lindqvist ein ums andere Mal auf Lap Steel, Dobro und (Slide-)Gitarre. Ist der Sechs-Saiten-Könner schon kein Meister der vielen Worte oder großen Gefühlsregungen, so wird er dabei noch von Wolfy Ziegler am Bass übertroffen. Der hat ebenfalls schon bei Grönemeyer die vier Saiten gezupft und ist derzeit bei Potsch Potschkas „Spliff“ dabei.

Stoisch verrichtet der Nußlocher seine fingerfertige Arbeit, er ist die Ruhe in Person, könnte aber mit seinem Gesichtsausdruck jeden Räuber in die Flucht jagen. Mit den beiden hat Lindqvist auch sein erstes Solo-Album „Superkarma“ eingespielt, das nach der Veröffentlichung vor einem Jahr sehr gute Kritiken der Musikpresse bekam. „Bluesgetränkte, meditative Klangwelten mit spirituell anmutenden, ostinaten Grooves“ hieß es da etwa.

Hans Dampf in allen Musik-Gassen

Das passt. Denn 2016 stieg der Gitarrist bei der Krautrock-Band „Guru Guru“ um Mani Neumeier ein, als Nachfolger des verstorbenen Hans Reffert. Mit dem wiederum hatte der Schwede mit kurpfälzischem Akzent bereits früher Musik gemacht – wie auch mit „Dr. Woggle and the Radio“. Eigentlich also ein Hans Dampf in allen hiesigen Musik-Gassen, der der breiteren Masse aber eher unbekannt ist.

Jan Lindqvist, der mit seinen langen Haaren und dem weißen Kinnbart ein gewisses Yeti-Lookalike hat, sollte aber eines bedenken: Er ist ein klasse Gitarrist, aber kein Sänger. Diese Versuche kommen dann doch etwas unmotiviert und abgehackt rüber. Das ist nicht sein Element, auch wenn die blueslastigen Stücke nicht unbedingt auf die Stimme, sondern eher auf die Gitarre ausgerichtet sind. Greift er aber zum Instrument, dann taucht er tief ein.

Man wünscht sich die eher kurz gehaltenen Stücke, teilweise nach Schema F, mit mehr Esprit oder einem ausgedehnteren Solo. Denn Lindqvist ist ein Meister seines Fachs, lässt vorrangig Slideguitar-, aber auch Wahwah-Töne leise im Raum verhallen, nachdem er sie vorher melodiös in den Saal gestreut hat. Von der Lap Steel über die klassische Fender bis hin zur ungewöhnlich aussehenden Würfel-Gitarre: Lindqvist hat ein ganzes Arsenal an Instrumenten mitgebracht, das er gerne durchwechselt, um so den verschiedenen Stücken eine ganz eigene Atmosphäre zu geben. Dann noch die Saiten mit dem Bottleneck bearbeitet und fertig ist eine psychedelische Stimmung, wie sie die Guru-Guru-Fans vom Finkenbach-Festival kannten. Natürlich steht die aktuelle Scheibe mit „Some People 2“, „Tonight“, „Toughen Up“ oder „Suitcase Full Of Sunshine“ im Mittelpunkt des Abends, aber das Trio unternimmt auch einen Ausflug zum Beat nach New Orleans oder bringt den indischen Subkontinent nach Nordbaden. Eine gediegen vor sich hinplätschernde Klangmelange, die bei den Besuchern bestens ankommt und für Wohlfühlatmosphäre sorgt. tom