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Weinheim Wie kann die Stadt „Europas Fußballerin des Jahrhunderts“ nach ihrem Tod auf angemessene Weise würdigen?

„Heidi-Mohr-Straße“ hat viele Fürsprecher

Nach dem Tod von Heidi Mohr, die am 7. Februar im Alter von nur 51 Jahren gestorben ist, wird in Weinheim die Frage diskutiert, wie man diese Ausnahmesportlerin zumindest posthum würdigen könnte. Für die Idee, eine Straße, einen Platz oder ein städtisches Gebäude nach der Jahrhundert-Fußballerin zu benennen, gibt es bereits viele Fürsprecher.

Zu Lebzeiten hatte es für Heidi Mohr keine offizielle städtische Ehrung gegeben – weder Ehrennadel noch Bürgermedaille oder gar das Ehrenbürgerrecht. Das mag daran liegen, dass sie selbst das Rampenlicht nie gesucht hat, sondern lieber Taten auf dem Fußballplatz sprechen ließ. Und es mag auch daran liegen, dass in den 1990er-Jahren der Frauenfußball noch nicht den Stellenwert hatte, den er heute hat. Doch ihre Verdienste um den Fußball sind unbestritten, das machen schon allein zwei internationale Auszeichnungen aus dem Jahr 1999 deutlich: Damals wurde Heidi Mohr zu „Europas Fußballerin des Jahrhunderts“ gekürt; und bei der globalen „Jahrhundert-Wahl“ landete sie auf dem dritten Platz.

Zweimal wurde sie 1991 im Rathaus empfangen: Im Juli beglückwünschte sie Weinheims Erster Bürgermeister Rudi Glock zum Gewinn des Europameistertitels mit der deutschen Fußballnationalmannschaft und überreichte ihr Blumen und ein Buch. Im Dezember gab es dann aus den Händen des damaligen Oberbürgermeisters Uwe Kleefoot wieder Blumen und ein Buch sowie einen Geschenkgutschein für Platz vier bei der ersten Frauen-Fußball-WM in China.

Olympiateilnehmerin 1996

1999 stand Heidi Mohr dann noch einmal für einen Moment im Rampenlicht ihrer Heimatstadt – beim Neujahrsempfang der Stadt gratulierte ihr OB Kleefoot zur wenige Tage zuvor bekannt gewordenen Wahl zu „Europas Fußballerin des Jahrhunderts“ – bei den Männern wurde dieser Titel übrigens an den Niederländer Johann Cruyff vergeben. Kleefoot würdigte Heidi Mohr damals als „gute Botschafterin für die Stadt Weinheim“ und erinnerte an ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta. Als Anerkennung überreichte er ihr damals eine Uhr mit Schlossmotiv. Auch im Goldenen Buch der Stadt sucht man ihre Unterschrift vergeblich. „Dazu muss man wissen, dass das Goldene Buch seinerzeit eine andere Bedeutung hatte“, erklärt der städtische Pressesprecher Roland Kern: „Es wurde als Gästebuch für prominente Gäste der Stadt genutzt. Die Ehrung verdienter Bürger, wie erfolgreicher Sportler, durch einen Empfang im Rathaus mit Eintrag ins Goldene Buch wurde erst mit der Ära Heiner Bernhard begonnen.“

Dass man nun zumindest die Erinnerung an Heidi Mohr in ihrer Heimatstadt Weinheim wachhalten sollte, darüber herrscht aber offenbar in der Kommunalpolitik Einigkeit. Auf Anfrage unserer Lokalredaktion sprachen sich alle Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderates dafür aus, eine Straße, einen Platz oder ein städtisches Gebäude nach Heidi Mohr zu benennen. Zustimmung für eine solche Initiative signalisierten Holger Haring (CDU). Günter Bäro (Freie Wähler) und Stella-Kirgiane-Efremidou (SPD) sowie Carsten Labudda (Linke) und Andrea Reister (FDP).

„Heidi Mohr wäre eine gute Botschafterin gewesen – nicht nur für Weinheim, sondern auch für den Frauenfußball insgesamt“, erklärte Elisabeth Kramer, Fraktionsvorsitzende der Grünen/Alternative Liste, und fügte hinzu: „Daher würden wir es sehr begrüßen, wenn eine Straße ihren Namen erhielte. Außerdem wäre es doch sehr passend, die Sporthalle im neuen Schulzentrum nach ihr zu benennen.“

Erinnerung wachhalten

Dr. Michael Lehner, Fraktionsvorsitzender der Weinheimer Liste, würde eine Ehrung ebenfalls ausdrücklich unterstützen: „Heidi Mohr ist eine verdiente Sportlerin, die zudem die Füße durchweg auf dem Boden gehalten hat. Wer sonst käme somit in aktueller Zeit in Betracht, so in sichtbar bleibende Erinnerung gehoben zu werden. Die Weinheimer können stolz auf ihre Heidi Mohr sein.“

Auch Erster Bürgermeister Torsten Fetzner findet die Idee, eine Straße nach Heidi Mohr zu benennen, gut. Allerdings wolle er das Thema zunächst mit dem Ehrungsausschuss und dann auch mit den Angehörigen besprechen.

Bislang gibt es in Weinheim nur eine Straße, die nach einem Sportler benannt wurde: Dem Weltmeistertrainer von 1954, Sepp Herberger (1897-1977), wurde diese Ehre 1955 zuteil. Außerdem tragen die Grundschule in Hohensachsen und das Weinheimer Stadion seinen Namen.

Das vorerst letzte Mal, dass ein städtisches Gebäude nach einem Weinheimer benannt wurde, liegt dagegen noch gar nicht so lange zurück: 2014 wurde die Grundschule Lützelsachsen in Hans-Joachim-Gelberg-Grundschule unbenannt.

Bei Straßen ist die Stadtverwaltung allerdings sehr zurückhaltend, wenn es um eine Umbenennung geht. „Es ist wegen der Adressänderungen sehr teuer und aufwendig, für die Stadt, aber auch für jeden Anwohner“, gibt Kern zu bedenken. Dafür steht aber das Neubaugebiet Allmendäcker gerade in den Startlöchern; Straßennamen wurden hier noch nicht vergeben. pro