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Weinheim Verein Hilfe zur Selbsthilfe feiert 40-jähriges Bestehen / Neubau eines Wohnheims im Nordosten Indiens geplant

Hilfe für die Ärmsten der Armen

Archivartikel

Die Gründer des Vereins „Hilfe zur Selbsthilfe – Dritte Welt“ haben sich vor 40 Jahren zum Ziel gesetzt, bedürftigen Jugendlichen zu Bildung und Ausbildung zu verhelfen. In der Zwischenzeit haben sie viel erreicht, aber es gibt noch immer viel zu tun. Der Verein hat seinen Sitz in Dossenheim, die Mitglieder stammen zum überwiegenden Teil aus Weinheim und dem vorderen Odenwald.

Pünktlich zum 40-jährigen Bestehen, das am kommenden Freitag in der evangelischen Kirche in Dossenheim gefeiert wird, liegt ein Schwerpunkt der Aktivitäten ganz im Nordosten Indiens, im Bundesstaat Arunachal Pradesh. Dort wohnen die Ureinwohner Indiens. Die meisten gehören zum Stamme der Wanchos.

Sie sind Teil der ärmsten gesellschaftlichen Gruppen, da sie wirtschaftlich benachteiligt und ausgegrenzt werden. Die Regierung in Delhi hat kaum Interesse an diesen bildungsfernen Menschen, die zum Wohlstand des Landes nichts beitragen können.

„In der Mittelpunktgemeinde Mintong haben wir bereits eine Schule und ein Wohnheim für Mädchen gebaut, jetzt kümmern wir uns um die Jungen“, erklärt der Vorsitzende Helmut Merkel im Gespräch. „Wir bauen ein Wohnheim, in dem etwa 90 Jungen wohnen können, die weiter als drei Stunden Fußweg von der Schule entfernt leben und so von jeder Bildung ausgeschlossen sind“. Der Bau des Wohnheims kostet etwas über 200 000 Euro. Sollten die Kosten höher liegen, werden sie von der zuständigen Ordensprovinz der Salesianer Don Bosco übernommen.

„Die meisten sind Analphabeten“

Der Vorstand bittet nun die Mitglieder, Freunde und die Bevölkerung um Spenden, damit das Wohnheim für die Jungen gebaut werden kann. „Das ist eine Hilfe an der vordersten Front des Bildungsnotstandes, denn die meisten Ureinwohner sind Analphabeten“, sagt Merkel.

Nach Mintong führt nur ein schmaler Weg, der einem einfachen Feld- oder Waldweg ähnlich ist und nur mit einem Allrad-SUV befahren werden kann, weil querende Bäche und Schlaglöcher einen normalen Pkw überfordern. Auf diesem Weg muss auch das gesamte Baumaterial herangeschafft werden – das ist aufwendig und teuer. Und in der Regenzeit zwischen April und September kann der Weg mit Lkw überhaupt nicht befahren werden.

Im Wohnheim können die Jungen auch ihre täglichen Hausaufgaben machen und sich auf den Unterricht vorbereiten. Ein Wohnheim ist auch deshalb wichtig, weil es nur Pfade und keine Wege beziehungsweise Straßen gibt. Die Landschaft im Vorgebirge des Himalaya ist von Bergen mit tiefen Tälern und Schluchten durchzogen und die Kinder können nur bei Tageslicht auf den schmalen Pfaden gehen.

Merkel dazu: „Die Menschen im Bundesstaat Arunachal Pradesh leben in für uns unvorstellbarer Armut. Sie betreiben mit einfachsten Mitteln Landwirtschaft an oft steilen Hängen. Der Ertrag reicht kaum zur persönlichen Versorgung. Daher essen die Bewohner meist nur einmal am Tag.“

Hinzu kommt eine absolute Trockenheit von November bis Februar. In dieser Zeit gibt es fast keine Niederschläge und die Menschen sammeln Regenwasser in Zisternen. Sie benötigen dieses Wasser vor allem zum Kochen und Trinken. Für Körperpflege oder Waschen reicht es in der Regel nicht. Merkel schildert es so: „Vor allem die Kinder sehen erbärmlich aus und ähneln den Menschen aus den Slumgebieten der großen Städte.“

Es existieren keine Brunnen

Aus diesem Grunde muss zum Wohnheim auch ein Wassertank mit einem Fassungsvermögen von rund 300 Kubikmetern gebaut werden. Hier wird schließlich unter hygienischen Bedingungen Regenwasser gesammelt. Denn es gibt keine öffentliche Wasserversorgung und in den Bergdörfern existieren keine Brunnen. Dieser Umstand verteuert die Baumaßnahme. Das Leben in einem Wohnheim ist für diese Kinder und Jugendlichen nicht nur die Voraussetzung, die Schule besuchen zu können, sondern auch für ein besseres Leben. Sie erhalten ausreichend Essen, um sich gesund zu entwickeln, und werden medizinisch betreut.

Weitere Infos: Geschäftsstelle des Vereins „Hilfe zur Selbsthilfe – Dritte Welt“, Telefon 06221/86 66 17, E-Mail: hzs.merkel@t-online.de. Konto Heidelberger Volksbank: IBAN DE23 6729 0000 0085 4300 09. -/sf