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Weinheim Beim Jubiläumskonzert von Chordirektor Volker Schneider schwelgt das Publikum in Opern-, Operetten- und Schlagern

Hunderte von Sängern und eine „Julischka“

Archivartikel

Am Ende seines Jubiläumskonzertes dirigierte Volker Schneider am Sonntag im Stile eines Hofkapellmeisters. Rund 100 Männerstimmen und dem TSV-Orchester Mannheim mit dem Taktstock ihre Einsätze zu geben und den Chor stimmgewaltig Evergreens der Opernszene von Verdi, Weber oder Wagner schmettern zu lassen, das hatte etwas Imposantes und verfehlte seine Wirkung aufs Publikum nicht. Die Besucher klatschten beim Flieger-Marsch aus der Operette „Der fliegende Rittmeister“ im Takt mit und bejubelten teilweise im Stehen bei der Zugabe die Julischka aus Budapest.

Nicht die leibhaftige Julischka, aber eine Sängerin, die ihr altersmäßig sehr nahe kam, hatte während des knapp dreistündigen Chor- und Orchester-Ereignisses immer wieder im Rampenlicht gestanden. Schneider war von der 20-jährigen Antonia Schuchardt restlos begeistert, nachdem sie mit Robert Stolz „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“ bekannt oder beim Vilja-Lied aus der Operette „Die lustige Witwe“ von Franz Lehar ihren Sopran hatte erklingen lassen, den sie beim Gesangsstudium in Berlin im vierten Semester schulen lässt.

Die junge Sopranistin kommt aus einer Familie, die Volker Schneider als „einen Sechser im Lotto“ bezeichnete, denn Antonia Schuchardts Eltern Ina und Jörg führten durch das Programm, die kleine Helene Schuchardt spielte im TSV-Orchester Mannheim (Leitung: Ionel Ungureanu) die Geige und Sohn Jonathan ließ das Publikum vor der Pause Anteil an seiner Freude am Rock-Schlagzeug nehmen, als er mit „Rock mi“ von Hermann Weinland den Gang zu Snacks und Prosecco im Foyer anstimmte.

Ungewohntes Chorerlebnis

Volker Schneider, Chordirektor BDC (Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände), setzte im Konzert zu seinem 50-jährigen Dirigentenjubiläum auf große Formate. Er formte aus Sängerinnen und Sängern der zehn Chöre, die er seit Jahren unter seinen Fittichen hat, einen Frauen- einen Männer- und einen gemischten Chor von jeweils rund 100 Stimmen und verschaffte somit sowohl seinen Sängern als auch dem Publikum ein Chorerlebnis, das es angesichts einer immer dünneren Aktivendecke in den einzelnen Vereinen sonst nicht mehr gibt.

Markus Gräber, Vorsitzender des MGV 1955 Weinheim, der das Konzert in der Stadthalle ausrichtete und zusammen mit Walter Spieth vom MGV 1850 Hohensachsen das Publikum begrüßt hatte, bedankte sich ganz am Ende bei allen Schneider-Chören für die Mitwirkung. Gemischter Chor und Orchester ließen bei Filmmelodien wie „Ein Freund, ein guter Freund“ in Nostalgie schwelgen, der große Frauenchor ließ das Publikum bei „Tipitipitipso“ von Caterina Valente mitsummen und feierte bei Helene-Fischer-Songs den Schlager dieser Tage.

Zwei Überraschungen waren ins Programm von Schneiders Jubiläumskonzert eingebaut. Dem TSV-Orchester Mannheim gratulierte kein Geringerer als Franz Lambert, Star an der Wersi-Orgel, zum 100-jährigen Bestehen, und Volker Schneiders Tochter Christiane ließ mit der Uraufführung der selbstkomponierten und von ihr am Klavier begleiteten Eigenkomposition „New Born“ einen nahezu sprachlosen Vater zurück.

Knapp zwei Monate nach seiner Ehrungsmatinee im Rolf-Engelbrecht-Haus beschwor Volker Schneider mit seinen Chören die schönen Seiten der klassischen und modernen Unterhaltungsmusik. Die Hochrechnung des Moderatoren-Ehepaars Ina Schuchardt-Groth und Jörg Schuchardt hatte ergeben, dass der Chordirektor aus Großsachsen in 50 Jahren rund 12 500 Singstunden absolviert hat. Einen seiner größten Dirigentenauftritte hatte er am Sonntag in der Weinheimer Stadthalle.