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Weinheim/Hemsbach Helmut Stein beringt mithilfe der Freiwilligen Feuerwehr fünf Jungstörche im Auftrag der Vogelwarte Radolfzell

In der Kinderstube von Meister Adebar

Der Storchenalltag im Horst beim alten Klärwerk in Hemsbach und beim Weinheimer Baubetriebshof in der Weidsiedlung wurde am Dienstag nur kurz gestört. Helmut Stein (68) schaute sich in der Kinderstube von Meister Adebar mal um und versah in Hemsbach zwei und in Weinheim drei Jungstörche mit Erkennungsringen. Ihre Nummern werden in einem Register in der Vogelwarte Radolfzell registriert.

Wenn noch zwei Wochen vergangen sind, werden DER A6L 07 und 08 – so die Ringkennzeichen in Hemsbach – erste Hüpfer in ihrem Horst machen. Sie sind sechs Wochen alt, schätzt Stein. Die drei Jungstörche in Weinheim dürften etwa eine Woche älter sein und schon bald mit den ersten Übungen für ihren Jungfernflug beginnen.

Helmut Stein (Bild) war über 30 Jahre Tierpfleger in Mannheim und half beim Aufbau der inzwischen stattlichen Storchenpopulation in und rund um den Luisenpark. Er kann sich noch gut daran erinnern, als 1983 das erste Paar im Luisenpark angesiedelt wurde. „Mitte der 70er-Jahre hatte es in ganz Baden-Württemberg nur noch 14 Storchenpaare gegeben“, erinnert sich der Tierpfleger, der normalerweise vom Weinheimer Hobby-Ornithologen Dietmar Matt in der Arbeit unterstützt wird. Matt war in diesem Jahr allerdings verhindert.

Horst in 14 Metern Höhe

Mit bei der Beringungsaktion war allerdings wieder Thomas Eitel. Er und Felix Leib, sein Kamerad von der Freiwilligen Feuerwehr Hemsbach, stellten die Drehleiter der Brandschützer für den Naturschutz-Auftrag zur Verfügung. Leib bediente die Hydraulik und hievte Eitel und Stein sicher in 14 Meter Höhe, wo die Storcheneltern zunächst noch besorgt bei den Jungvögeln wachten, sich aber entfernten, als die Leiter den Horst erreichte. Beide Altvögel umkreisten während der kurzen Beringungszeit den Horst und kehrten anschließend sofort zu ihren Storchenkindern zurück.

„Um Mitte August ist das Nest endgültig leer“, sagt Thomas Eitel. Der Hemsbacher Feuerwehrmann interessiert sich auch für Meister Adebar. Auch ihm ist aufgefallen, dass der Horst bei der alten Kläranlage offenbar seit Jahren von ein und demselben Storchenpaar aufgesucht wird, denn einer der Altvögel ist beringt und der andere nicht. Helmut Stein: „Der beringte Vogel ist ein X-Storch. Er trägt das Zeichen der Vogelwarte Helgoland. Es könnte sein, dass er in Hessen beringt wurde, das nach Helgoland meldet.“ Helmut Stein ist übrigens in diesen Tagen im Dauereinsatz, denn die Beringungszeit geht nur über wenige Wochen. So um die 200 Jungstörche wird er auch dieses Jahr dann wieder beringt haben, und wenn die Hemsbacher Störche Richtung Spanien ins Winterquartier ziehen, wird sich Thomas Eitel ihren Horst genauer anschauen. Manchmal finden sich auch schon mal Plastikteile oder andere Abfallstücke, die dort nichts zu suchen haben.

Außerdem machen der Kot der Tiere und der Körperdruck der Vögel den Horst so dicht, dass sich Wasser in ihm sammeln und Jungtiere im nächsten Jahr gefährden würde. „Da nehmen wir einige Zentimeter Altmaterial raus, damit im nächsten Jahr wieder gebrütet werden kann“, sagt Eitel.