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Weinheim Schauspielerin Alexandra Kamp spricht nach „Gut gegen Nordwind“ in der Alten Druckerei über das Spezielle dieser Inszenierung

Jeden Abend einen Kloß im Hals

Im Jahr 2006 wurde „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer für den Deutschen Buchpreis nominiert. Als Stück wurde es auf mehr als 40 Bühnen aufgeführt. Am Samstagabend schlüpften Alexandra Kamp und Ronald Spiess in Weinheim in die Rollen von Emmi Rothner und Leo Leike und rissen das Publikum in der Alten Druckerei mit der anrührenden, humorvollen und zugleich tragischen E-Mail-Liebesgeschichte mit. Ein Gespräch mit Alexandra Kamp.

Seit wann stehen Sie mit „Gut gegen Nordwind“ auf der Bühne?

Alexandra Kamp: Ich spiele es seit 2015 mit Ronald Spiess. Wir starteten in Braunschweig, haben es auch schon in Berlin im Schlosspark Theater von Dieter Hallervorden und auf dem Theaterschiff in Hamburg aufgeführt.

Die Inszenierung unterscheidet sich von anderen. Fußt das auf Ihrer Idee?

Kamp: Schön, dass das auffällt. Es ist keine große Bühnenshow, sondern ein mit minimalen Mitteln tempo- und pointenreich inszeniertes Kammerspiel. Das beruht auf der Idee und der hervorragenden Arbeit von Regisseur Dominik Paetzholdt. Ich persönlich finde, dass durch das hohe Tempo beispielsweise die leiseren Stellen sogar besser zur Geltung kommen.

Führt das bewegungsreiche Spiel auf der Bühne nicht auch dazu, dass Sie und Ronald Spiess die Emotionen von Emmi Rothner und Leo Leike noch intensiver in sich spüren?

Kamp: Das ist zweifellos so. Ich habe das Stück jetzt über 260-mal gespielt, und kein Abend ist wie der andere.

Wie war es in Weinheim?

Kamp: Die „Alte Druckerei“ passt prima für das Stück. Das Publikum war spürbar hochkonzentriert, und außerdem wurden wir von der Chefin, Patricia Kain, liebevoll betreut. Es gab schon vor der Aufführung heiße Zitrone gegen meine Erkältung.

Dann war das Niesen an einer Stelle nicht gespielt?

Kamp: (lacht) Nein, das war echt, und ich habe es einfach in die Handlung eingebaut.

Kannten Sie das Buch eigentlich vorher?

Kamp: Nein, gar nicht, aber dafür kenne ich es jetzt umso besser. Eine Freundin hatte mir noch von „Alle sieben Wellen“, dem Nachfolgebuch von Daniel Glattauer, vorgeschwärmt. Das spielen wir inzwischen natürlich auch. Vergangenes Jahr hatten wir bei den Nibelungenfestspielen in Worms damit Premiere. Es ist also eine sehr neue Inszenierung.

Sie müssen bei „Gut gegen Nordwind“ eine Menge Text parat haben.

Kamp: Ronald und ich, wir kennen sogar den Text des anderen auswendig. Das braucht man, weil genau genommen das Gegenüber fehlt, denn wir sehen uns ja nicht. Wir spielen direkt zum Publikum. Das fühlt sich wie Surfen auf der Bühne an.

Am Ende wird das Stück ja auch tragisch. Wie sehr rührt Sie das innerlich?

Kamp: Ich habe jeden Abend einen Kloß im Hals. Das ist unvermeidlich, denn unsere Emotionen sind pur und echt. Das muss auch so sein, denn sonst würde es nicht authentisch und ergreifend für den Zuschauer rüberkommen.

Sind Sie noch weiter mit dem Stück unterwegs?

Kamp: Die nächste Rolle wartet bereits auf mich. In den Hamburger Kammerspielen übernehme ich in „Eine verhängnisvolle Affäre“ die Rolle der Alex Forest.

Werden wir Sie als Emmi Rothner noch mal in Weinheim erleben können?

Kamp: Wenn alles klappt, komme ich im März noch mal in die „Alte Druckerei“. Das Wiedersehen mit Alexandra Kamp klappt: Am 27. März spielt sie in der „Alten Druckerei“ nochmal Emmi Rothner, dann aber in der Fortsetzung „Alle sieben Wellen“, die auch für sich stehen kann. dra