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Literatur Der Hamburg-Krimi „Sturmzeichen“

Judenhass als Motiv

Die Weimarer Republik erlebt derzeit nicht ohne Grund in zeithistorischen Romanen eine Renaissance. Denn die erstaunliche Modernität jener Zeit steht uns heutigen Menschen deutlich näher als die trüben Jahrzehnte danach. Ein schönes Beispiel hierfür ist der neue Krimi „Sturmzeichen“ von Boris Meyn, der 1929 in Hamburg handelt. Die Journalistin Ilka Bishop kehrt von Berlin in die Hansestadt zurück, denn der Mieter eines ihrer Häuser wurde ermordet.

Ein beängstigender Verdacht

Der Tote war Jude, daher liegt ein antisemitisches Motiv nahe. Zusammen mit ihrem Freund, dem Polizisten Laurens Rosenberg, macht sie sich auf die Suche nach dem Täter. Dabei tauchen die beiden tief ein in die kriminellen Strukturen der Stadt und geraten selbst ins Visier. Boris Meyn lässt den Leser an einer atemberaubenden Zeitreise durch das Weimarer Kulturleben teilhaben, das trotz der damaligen politischen Instabilität heute als zivilisatorisches Vorbild gilt. Dennoch wirft auch hier bereits der braune Terror der Nazis seine Schatten voraus (Boris Meyn: Sturmzeichen. Rowohlt Verlag, Hamburg. 256 Seiten, 10 Euro). dpa