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Liebhaber-Auto Aston Martin hat James Bonds DB5 mit vielen Gimmicks des berühmten Dienstwagens noch einmal aufgelegt

Kein Schleudersitz und keine Zulassung

Newport Pagnell.Lotus, BMW, Toyota, sogar eine Ente hat James Bond in seiner Karriere gefahren. Doch kein Auto ist so eng verbunden mit dem berühmtesten Geheimagenten der Welt wie der silberne Aston Martin DB5, mit dem Sean Connery 1964 in „Goldfinger“ zum ersten Mal über die Leinwand jagte. Der kürzlich verstorbene Schauspieler war nicht nur der erste, sondern für viele auch der beste 007-Darsteller. Doch der Schotte lebt nicht nur in den endlosen Wiederholungen seiner insgesamt sieben Bond-Filme weiter: Jedes Mal, wenn irgendwo ein DB5 auftaucht, hat man sein Bild vor Augen, wie er Auric Goldfinger oder anderen Bösewichten das Handwerk legt.

Parallel zum wiederholt verschobenen Start des 25. Bond-Abenteuers „Keine Zeit zu sterben“, in dem Daniel Craig natürlich wieder am Steuer des DB5 sitzen wird, hat Aston Martin das Original aus „Goldfinger“ noch einmal aufgelegt: 25 Exemplare der sogenannten Continuation-Series werden binnen jeweils 4500 Stunden komplett von Hand aufgebaut, sagt Paul Spires. Er leitet das Tochterunternehmen Aston Martin Works und verantwortet dort neben dem Klassiker-Service auch den Neubau solcher Oldtimer.

Wie das Serienmodell von 1963

Auf den ersten Blick sieht dieser DB5 genauso aus wie das Serienmodell, das 1963 seinen Einstand gab. Und er fährt auch so: Die Briten haben gar nicht erst versucht, die Technik zu modernisieren. Weil sie mangels originaler Konstruktionspläne den Motor im Computertomographen gescannt und dann detailgetreu nachgebaut haben, steckt hinter dem ikonischen Kühlergrill der gleiche vier Liter große Reihensechszylinder wie früher. Es gibt wie damals ein Fünfgang-Getriebe von ZF sowie ein Fahrwerk und eine Lenkung, die ein herausforderndes Eigenleben führen.

Und auch wenn der DB5 als Luxusliner unter den Leistungsträgern elektrische Fensterheber hatte, sucht man elektronische oder zumindest elektrische Helfer vergebens: Man lenkt allein mit Muskelkraft und bremst auch ohne technische Unterstützung. Entsprechend behutsam lässt man es angehen und wehrt sich gegen den Lockruf der Leistung, der in diesem Auto unüberhörbar ist: Schließlich leistet der 4,0 Liter große Motor 210 kW/286 PS und seine 390 Nm haben mit den nicht einmal 1500 Kilos des Coupés leichtes Spiel. Kein Zweifel, dass der Sprint von 0 auf 100 in 7,1 Sekunden gelingen könnte, und dass bei Vollgas damals 229 km/h drin waren.

Je länger man mit dem fabrikneuen Oldtimer fährt und desto größer das Vertrauen wird, desto weiter lässt man den Blick schweifen, gibt der Neugier nach und schielt unter Klappen und Konsolen. Spätestens dann erkennt man, dass dieser DB5 nicht irgendeine Replika ist. Sondern Paul Spires Truppe hat keinen geringeren DB5 nachgebaut, als das originale Bond-Auto. In der Mittelkonsole taucht hinter einer Jalousie deshalb ein Radarbildschirm auf und zeigt die aktuelle Position. In der Tür steckt ein ganz frühes Autotelefon. Und unter der Armlehne entdeckt man jene Schalterleiste, mit der Bond das Coupé zum Kampfwagen machen konnte: Auf Knopfdruck fahren aus den Stoßstangen Rammböcke aus, hinter die Rückscheibe schiebt sich ein Schutzschild aus kugelfestem Stahl, die Wechselkennzeichen erschweren die Verfolgung. Und wenn sich doch mal einer an die Fersen heftet, nebelt der Aston ihn kurzerhand ein, während er sich vorn mit zwei täuschend echten Maschinengewehren mit reichlich Sound und Licht den Weg frei ballert.

Nur an zwei Punkten sind die Briten bewusst vom Drehbuch des Ian Fleming und der Bauanleitung des Waffenmeisters Q abgewichen: Der Schleudersitz ist trotz entsprechenden Dachausschnitts und dem Auslöser im Schaltknauf nur eine Attrappe. Und statt einen Ölteppich auf den Asphalt zu legen, bringt der Nachbau mögliche Verfolger mit Seifenwasser ins Schleudern – auch James Bond denkt mittlerweile offenbar an die Umwelt.

Spielzeug für große Jungs

Zwar geht das Continuation Car mit all den Gimmicks als waschechtes Bond-Auto durch. Doch bei einem Detail müssen die Briten passen: Trotz oder vielleicht gerade wegen der drei Nummernschilder fehlt dem Klassiker die Straßenzulassung, muss Spires einräumen. Das stempelt ihn gar vollends zum Spielzeug für große Jungs mit tiefen Taschen – und zu einem der teuersten Spielzeugautos der Welt. Schließlich rufen die Briten dafür knapp vier Millionen Euro auf. Spires räumt zwar ein, dass das eine stolze Summe ist. „Doch billiger ist an ein Bond-Auto nicht zu kommen“, sagt er.

Zwar würden konventionelle DB5 für deutlich weniger gehandelt. „Doch als zum letzten Mal eines der Originale aus der Goldfinger-Produktion versteigert wurde, fiel der Hammer bei mehr als dem doppelten.“ tmn