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Weinheim Rapper Kool Savas spielt vor fast ausverkauftem im Haus im Konzerthaus „Café Central“

„King of Rap“ sorgt für Dampfsauna-Atmosphäre

Archivartikel

Café Central. Freitagabend. Es ist kurz nach 21 Uhr, die Innentemperatur im Konzertraum der „Alten Uhlandschule“ liegt schon jenseits der 30 Grad Celsius. Mit 250 Besuchern ist der Klub fast ausverkauft. Dann Licht aus, der Beat setzt ein und der „King of Rap“ steigt auf die Bühne. Mit dabei hat er seinen Back-up Takt32 und DJ Eule an den Decks. Schon nach dem zweiten Song „Alle schieben Optik“ herrscht Ekstase und das Central wandelt sich von tropischen Verhältnissen zu einer Dampfsauna.

Die lebende Hip-Hop-Legende Kool Savas soll an diesem Abend ein exklusives, 40-minütiges Konzert spielen. Und spontan ist es obendrein: Nur knapp eine Woche zuvor haben die Veranstalter, das Team um Michael Wiegand, den Gig bekannt gegeben. Vermutlich wohlwissend, dass der Rapper trotzdem nicht vor leerem Haus spielen wird. Denn erst im Februar wurde sein aktuelles Album „KKS“ veröffentlicht. Neben zahlreichen Singles, Mixtapes und Kollaborationen mit anderen Rappern ist es sein fünfter Langspieler aus dem Studio. Zudem steht die Deutschlandtour an.

Ungekrönter König

Savas, der sich Mitte der Neunziger einen Namen in der Szene machte, ist spätestens seit 2011 der ungekrönte König des Deutschraps. 14 Wochen hielt sich sein Album „Aura“ auf Platz eins der Charts. „Märtyrer“ schaffte es 2014 auf ganze 15 Wochen an der Spitze.

„Wir haben heute ja eigentlich nur eine kurze Show geplant. Aber ich habe Zeit“, sagt Savas, der von der Hitze schon deutlich gezeichnet scheint. Der gebürtige Aachener lebt zwar in Berlin, kennt die Rhein-Neckar-Region aber bestens. Das zeigt er nicht nur in seinem Song „Rhythmus meines Lebens“, in dem er Mannheim, Heidelberg und Neckargemünd jeweils eine Passage spendierte, sondern auch am Konzertabend: „Wo sind die Viernheimer, wo sind die Weinheimer, wo sind die Dilsberger“, fragt Savas sein Publikum. Im Neckargemünder Stadtteil habe er vor langer Zeit gewohnt. Besonders seine damalige Adresse „Am Blumenstrich“ sorgte bei seinen Hip-Hop-Kollegen in Berlin für Gelächter. Anekdoten dieser Art liefert der 44-Jährige immer wieder zwischen den Songs und zeigt sich nahbar und sympathisch. Mit dem Track „Futurama“ liefert er seinem Publikum dann ein weiteres Stück Nostalgie. Dabei fliegt er über die anspruchsvollen, schnellen Passagen und landet bei jeder Silbe treffsicher auf dem Beat – Savas’ unverkennbares Markenzeichen.

Einer der „alten Garde“

Savas Yurderi ist ein Rapper der alten Schule, der alle Trends der vergangenen zwei Jahrzehnten überlebt, aber nie mitgemacht hat. Er bleibt ein Verfechter der puren Wortgewalt. Angefangen von seiner unerreichten „Double-Time“-Technik, bei dem die Wörter doppelt so schnell wie der Beat gerappt werden, bis hin zu seinen Botschaften, die er transportiert. Stetig eloquent, wortwitzig und brutal. Dass er einer der „alten Garde“ ist, weiß Savas genau. Seine Feindbilder sind die, die sich den aktuellen Trends hingeben, dem Autotune verfallen und die hohe Kunst des Sprechgesangs nur unzureichend würdigen. Mit dem Song „Essah ist zurück“ gibt Savas zu verstehen, dass sich auch 2019 nichts Wesentliches an seiner Haltung dahingehend geändert hat. Und seine Fans danken es ihm, indem sie zu dem Beat mit der tiefen Bassfigur und Flöte die Arme im Takt springen lassen. Taschentücher, T-Shirts und alle anderen saugfähigen Materialien werden vom Publikum in den kurzen Pausen dafür verwendet, den rinnenden Schweiß aus den Augen zu wischen.

Und auch der Rapper auf der Bühne hat zu kämpfen: „Es ist so verdammt heiß“, sagt er, und setzt sich kurz. Das Kräftesammeln lohnt sich immer wieder, denn mit voller Kraft haut er Titel wie „Royal Bunker“, „Mona Lisa“ und „LMS“ raus. Die Hälfte des Konzerts ist in etwa vorüber, als noch mal einige Besucher hinzukommen, die kurz zuvor den Auftritt von „GReeeN“ im Schlosshof besuchten und mit ihren Tickets freien Eintritt für das „Central“ erhalten.

Zu deren großer Freude hält sich der Rapper nicht an die vorgegebenen 40 Minuten, sondern überzieht auf ganze 75 Minuten. Alles gipfelt dann in dem Song „Aura“. Savas lässt die Lichter ausschalten und rappt komplett im Dunkeln, steht dabei über seinem Publikum und feiert mit ihm. „Ein letztes Mal Vollgas“ fordert er dann mit dem finalen Song „Und dann kam Essah“. Ein letztes Mal an diesem Abend bebt das „Café Central“. Und während sich Anhänger und Rapper unermüdlich anfeuern, schwitzt sogar die Decke. ppf