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Kunst Zum 24. Mal finden die Galerientage statt / Bis Sonntag nehmen im Mannheimer Kunstverein vier Galeristen weniger teil

Kleiner, aber mit mehr Platz

Nur noch neun Aussteller beschicken die 24. Galerientage im Mannheimer Kunstverein. Der Galerienverband Rhein-Neckar hat vier Mitglieder verloren – zuerst musste Günther Zulauf (Freinsheim) aus Gesundheitsgründen seine Galerie schließen, dann starben in Mannheim Ursula Keller und Blanka Heinecke, kürzlich stieg auch noch Ingrid Bürgy in Neustadt aus, so dass die verbliebenen neun zwar mehr Platz haben, aber wohl auch mehr Kosten stemmen müssen. Fatal noch dazu, dass auch kein Nachwuchs in Sicht ist, der das mühsame Geschäft eines klassischen Galeriebetriebs auf sich nähme.

Dennoch zeigen die Verbliebenen unverdrossen, was sie können: Im Erdgeschoss des Kunstvereins sind das Linde Hollinger (Ladenburg), Dorothea Gänzler (Nussloch), Marianne Heller (Heidelberg) und die leider viel zu selten ausstellende Julia Philippi (Dossenheim), deren politisches Engagement offenbar der Kunst in den Weg kam.

Schwungvolle Hingucker

Dass Philippis Ansprüche nicht nachgelassen haben, zeigt sich an den sensiblen Arbeiten des Heidelbergers Michael Bacht, der von 1987 bis 1990 ein Atelier in der Zigarrenfabrik Malsch hatte. Die dort vorgefundenen Kartonteile und Schachtelrohlinge verarbeitete er unter anderem zu den beiden Werkgruppen „Buchobjekte“ und „Erinnerung an Makimono“ – Arbeiten, die sich durch Schichtungen und Stapelungen aufeinander zu beziehen scheinen. Ergänzt durch zwei „Graphitbilder“ mit feinsten Grau-Schwarz-Abstufungen ergibt sich der Eindruck großer Homogenität, zugleich unerschöpflicher Nuancen in Materialwirkung und Plastizität.

Ihm gegenüber neben dem Eingang sorgt Linde Hollinger mit der Heidelbergerin Christiane Grimm für schwungvolle Hingucker: Die mit Farben und geripptem Glas versehenen Plexiglasobjekte fordern nämlich Bewegung vom Betrachter. Die geheimnisvollen Interferenzen, die dadurch entstehen, animierten 2018 bei der Deltabeben-Regionale im Hack-Museum die Besucher zum Publikumspreis. Die Künstlerin stellt mittlerweile nicht nur in Ladenburg aus – auch bis hin nach Taiwan.

Dorothea Gänzler, die vor einigen Jahren den Showroom der Galerie „arthea“ in Mannheim aufgeben musste, hat ihre Künstler aber längst nicht aufgegeben: Sie kombiniert Leinwandbilder von Werner Zeh und Steinskulpturen von Dieter Kränzlein – das sind mit Weißstufungen kontrastierende Farbschichten und feine Dynamik auf den Bildern von Zeh sowie erstaunliche Farbskulpturen bei Kränzlein, der rollenartige, kugelige, ovale und fruchtähnliche Stücke aus gekerbtem und gefärbtem norwegischem Marmor schuf. Die Schwere des Steins tritt völlig zurück, aber die Farben auf Wandbildern und Skulpturen scheinen einander zu antworten.

Für atemberaubende Eleganz fernöstlicher Porzellankunst sorgt Marianne Heller aus Heidelberg. Sie zeigt papierdünne, schlaufenartig ineinander gedrehte Objekte des Japaners Shigekazu Nagae, der ganz in Weiß arbeitet. Als Kontrast dazu zwei kernig traditionelle, aber nicht weniger kunstvolle Gefäße der Japanerin Yoko Imada, die weiße Gefäßwände mit expressiven blauen Akzenten versieht.

Stimmungsvolle Landschaften

Im Obergeschoss haben Döbele, Peter Zimmermann, Sebastian Fath, Friedrich W. Kasten (Mannheim) und Josef Nisters (Speyer) ihren Platz gefunden. Johann und Hedwig Döbele präsentieren nicht nur Max Ackermanns „Schwimmerin“ als Blickfang über den Stufen, sie breiten als einziger Aussteller auch einen Querschnitt durch ihr Programm aus: Da sind der Maler Max Uhlig, Igor Oleinikov mit zwei Skizzen, Hermann Glöckler (1889-1987), die Dresdnerin Herta Günther und die einstige Kirkeby-Schülerin Britta Lumer zu finden.

Verblüffend Peter Zimmermann mit stimmungsvollen Landschaften von Holger Baehr, der als Deutscher in Irland lebt. Er malt wie aus vergangenen Zeiten, gepackt von Wolken, windgepeitschten oder durchsonnten Feldern und Küsten – alles menschenleer, Atmosphäre pur.

Bei Sebastian Fath geht es anders zu. Den keck reduzierten Bildern von Bertrand Fournier, der nach den Galerientagen bei Fath seine erste deutsche Einzelschau haben wird, setzt er Aquarelle und Objekte von Tobias Wenzel entgegen – Formen und Farben, als wären es Mineralien oder Einzeller, durchscheinend zart und zugleich undurchdringlich kompakt.

Bei Nisters indes feine, wie hingewehte Wandarbeiten von Regina Reim, kontrastierend mit dunklen, formstrengen Stahl-Kopfplastiken von Karlheinz Zwick. Faszinierend die zarte Plastizität der Cutouts, die Regina Reim aus zerschnittenen Farbradierungen übereinander legte. Schließlich noch Kasten mit den wunderbar farbklaren, leuchtenden Siebdrucken von Julia Steinberg, einer Meisterin dieser Technik, die mit über 20 Farben fast wie Gemälde wirken. Die pfiffigen Collage-Grafiken von Holger Zimmermann haben fast einen schweren Stand daneben – wenn sie nicht so fantasievoll wären.

Info: www.mannheimer- kunstverein.de