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„Michael Kohlhaas“

Kleist-Novelle am Staatstheater

Archivartikel

Darmstadt.Heinrich von Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ von 1810 wird bis heute als präzise Studie über Eskalation gelesen: Dem Pferdehändler Kohlhaas werden an der Grenze zwei edle Pferde als Pfand abgenommen. Als er zurückkehrt, findet er diese abgemagert und zerschunden vor. Kohlhaas klagt und verlangt vor Gericht Schadensersatz. Als ihm dieser verwehrt wird, beginnt er einen Rachefeldzug, der zusehends seiner Kontrolle entgleitet.

Gestern hat die Inszenierung am Staatstheater Darmstadt Premiere gefeiert. „Kohlhaas muss erleben, dass die Regeln des Rechts, wie er es zu akzeptieren lernte, von staatlicher Seite nicht eingehalten werden. Das ist eine grundlegende menschliche Erfahrung, die wir als Kinder machen“, sagt Regisseur Dominic Friedel. Auf der Bühne lässt er die Geschichte von drei Schauspielern und einer Kindergruppe erzählen.

„Ich finde es spannend, welche Wirkung es hat, wenn Kinder als erwachsene Figuren auftreten. Bekannte Sätze hören sich neu an. Ohne es auszusprechen schwingen Fragen mit: Was wird aus den Kindern werden? Und wie wurden wir zu dem, was wir sind?“, so der Regisseur. Das Stück erzählt vom Aushalten von Missständen und Widersprüchen. zg