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Königin im Prüfungsstress

Interview: Janine I. schließt Ausbildung zur Konditorin bald ab / Neue Prinzessin wird gekürt

Janine, was tut eigentlich eine Spargelkönigin außerhalb der Saison, wenn nicht geerntet wird?

Spargelkönigin Janine I.: Derzeit mache ich eine Ausbildung zu Konditorin. Dafür stehe ich morgens gegen 5 Uhr auf, samstags sogar um 3 Uhr, und fahre zur Arbeit. Mittags darf es dann auch mal ein Nickerchen sein oder ich chille nach getaner Hausarbeit. In meiner Freizeit bin ich als Teamer in der evangelischen Kirchengemeinde im Einsatz und bei den Gruppenabenden dabei. Außerdem bereite ich Kindergottesdienste vor und führe diese mit durch. Und wie jeder andere Teenie auch gehe ich am Wochenende mit Freunden essen oder feiern.

Auf dem Hof deiner Eltern wird seit Anfang des Monats geerntet. Warst du schon mit draußen auf dem Feld? Wie verändert sich das Leben zu Hause während der Spargelsaison?

Janine: Ich war selbst dieses Jahr noch nicht mit auf dem Feld stechen. Die Saison hat gerade erst angefangen und der Spargel fühlt sich bei diesen Temperaturen noch nicht wirklich wohl und so sind die Erntemengen noch nicht riesig. Aber wir sind ja noch ziemlich früh dran – es ist gerade mal Mitte April. In der Spargelzeit helfen bei uns alle mit, da gibt es keine Ausnahme – auch nicht für mich. Vieles wird in dieser Zeit zwischen Tür und Angel besprochen. Das Telefon steht gefühlt niemals still und Freizeit ist eigentlich ein Fremdwort.

Welche Traditionen habt ihr zu Hause, um den Start in die Saison zu feiern?

Janine: Traditionell gibt es von den ersten gestochenen Stangen Spargelgemüse mit Pfannkuchen. Alle freuen sich darauf und es ist egal, ob der Spargel dick, dünn, weiß oder grün ist – es ist einfach der erste Genuss.

Mit Beginn der Spargelsaison stehst du als Spargelkönigin im Rampenlicht. Wie bereitest du dich vor?

Janine: Als Erstes hole ich mein Kleid aus dem Schrank und überprüfe meine Garderobe, ob die Schärpe sitzt und die Gummistiefel noch wasserdicht sind. Weiter schaue ich, ob Autogrammkarten und Goldstifte in ausreichenden Mengen vorhanden sind. Meine Saison beginnt dann mit dem Spargellauf und Spargelanstich.

Hast du ein bestimmtes Ziel für diese Saison?

Janine: Natürlich möchte ich wieder den Schwetzinger Spargel und unsere Stadt bei allen Festivitäten und Veranstaltungen würdig vertreten. Dabei will ich den Menschen zeigen, wie Spargel angebaut und geerntet wird und so erklären, wie viel Arbeit dahinter steckt.

Seit 2015 bist du als Spargelkönigin im Amt und hast viele Erfahrungen gesammelt. Was macht dir bei deiner Aufgabe am meisten Spaß?

Janine: Am Anfang war mir schon etwas mulmig, wenn ich bei großen Veranstaltungen wie bei meiner Inthronisierung im Schloss sprechen musste. Mittlerweile habe ich Erfahrungen gesammelt und es fällt mir leichter. Besonders freue ich mich aber immer wieder, neue Menschen kennenzulernen.

Es heißt, du erhältst beim Spargelanstich eine Begleiterin an die Hand. Stimmt das? Was sind ihre Aufgaben?

Janine: Ja, beim Spargelanstich am Samstag, 27. April, wird die neue Spargelprinzessin und meine spätere Nachfolgerin eingeführt. Sie soll – ebenso wie ich – die Möglichkeit bekommen, während der Saison mit dabei zu sein, um reinzuschnuppern. Am Anfang wird sie mich begleiten und später den einen oder anderen Termin übernehmen. Wer sie ist, wird beim Spargelanstich bekanntgegeben.

Du hast selbst als Prinzessin angefangen. Was rätst du der neuen Kollegin?

Janine: Ich werde ihr natürlich viele hilfreiche Tipps mit auf den Weg geben, zum Beispiel: „Nimm immer Blasenpflaster und Sicherheitsnadeln mit.“ Ansonsten werde ich ihr raten, so zu bleiben, wie sie ist – verstellen kann man sich nicht die ganze Zeit. Nur so kann man ungezwungen auf andere zugehen und das Amt am besten genießen.

Als angehende Konditorin stehen bald deine schriftlichen Prüfungen an. Wirst du daher kürzer treten müssen?

Janine: Genau. Ich werde nächsten Monat meine schriftliche Gesellenprüfung ablegen. Zur Zeit steht deshalb auch Lernen auf dem Programm. Beim Spargelsamstag werden ich daher etwas kürzer treten müssen, da ich am darauffolgenden Dienstag und Mittwoch schriftliche Prüfung habe. Meine praktische Prüfung folgt dann im Sommer und ist somit erst nach der Spargelsaison.

Welche Pläne hast du für deine berufliche Zukunft? Zieht es dich erst einmal hinaus in die weite Welt?

Janine: Ja – beruflich will ich natürlich noch Erfahrungen als Konditorin in anderen Betrieben sammeln und vielleicht geht es auch mal ins Ausland. Aber langfristig werde ich Schwetzingen auf jeden Fall treu bleiben. cat