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Weinheim Gemeinderat muss Nachtrag bei Instandsetzung der „OEG-Brücke“ zustimmen / Kritik am zuständigen Ingenieurbüro

Kosten erhöhen sich um 920 000 Euro

Archivartikel

Was ist da schief gelaufen? Das war die zentrale Frage der Gemeinderäte an die Stadtverwaltung und das zuständige Ingenieurbüro. Denn das Gremium sollte in seiner Sitzung Kosten-Nachträge in Höhe von mehr als 750 000 Euro für die Instandsetzung der „OEG-Brücke“ bewilligen, der Auftrag erhöht sich damit um sage und schreibe mehr als 920 000 Euro. Der Schlussrechnungsbetrag liegt damit bei 1,6 Millionen Euro. Die Maßnahme wurde von März bis Juli durchgeführt und ist damit schon abgeschlossen. Eine Alternative, als die Kostensteigerung zähneknirschend hinzunehmen, blieb den Gemeinderäten also nicht. Stattdessen betrieb man Ursachenforschung.

„Spekulationspreise?“

Zunächst stellten Vertreter des zuständigen Ingenieurbüros detailliert vor, wie die Nachträge entstanden sind. „Viele Dinge waren tatsächlich anders ausgeführt worden, als im Bestandsplan dargestellt“, betonte ein Vertreter des Ingenieurbüros Rothenhöfer. In der Sitzungsvorlage nannte die Stadtverwaltung unter anderem „falscher Straßenaufbau, fehlende Bauwerksbereiche, fehlende Leitungsquerungen und fehlende Bauwerksabmessungen“.

Was vielen Gemeinderäten allerdings missfiel: Die ursprüngliche Kostenplanung der Stadt hatte bereits bei 1,2 Millionen Euro gelegen. Vor allem die Bauexperten unter den Stadträten wie SPD-Mann Constantin Görtz (Architekt) und CDU-Chef Holger Haring (Malermeister) monierten, dass bei der Verwaltung die Alarmglocken hätten schrillen müssen, als das günstigste Angebot im Zuge der Ausschreibung so derartig niedrig ausfiel. „Hatte man nicht das Gefühl, dass das Spekulationspreise sind?“, fragte Görtz.

Unverständlich war für viele Gemeinderäte auch, dass das Ausmaß der Mängel an der Brücke offenbar nicht durch die, durch das Ingenieurbüro Rothenhöfer durchgeführte, Bauwerksprüfung absehbar war. Erster Bürgermeister Torsten Fetzner sagte: „Bauwerksprüfungen richten sich nach einem bestimmten Regelwerk. so werden alle Bauteile, die zugänglich sind, geprüft. Die Prüfung beinhaltet nicht, dass wir in das Bauwerk reinschauen.“ Und der Leiter des Tiefbauamtes, Udo Wolf, ergänzte: „Den Gleisbereich beispielsweise hätten wir nicht öffnen können, weil ja die Straßenbahn fuhr.“ Man könne nicht bei jedem Tropfen Wasser analysieren, wo er herkomme.

Auf Reserven zurückgreifen

Gefragt nach den Möglichkeiten einer Regressforderung gegen das Ingenieurbüro, sagte Fetzner: „Da werden wir nicht durchkommen. Denn die Brückenprüfung ist sach- und normgerecht erfolgt.“

Den Haushalt bringt die Kostensteigerung allerdings nicht in Schieflage. Kämmerer Jörg Soballa und das zuständige Fachamt hatten den ursprünglichen Betrag von 1,2 Millionen Euro vorsorglich im Etat belassen. Beim Rest könne man auf Reserven zurückgreifen, die nicht abgerufen worden waren, sagte Udo Wolf. vmr