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Weinheim Rund 50 Jugendliche und junge Erwachsene demonstrieren mit Sitzstreik / Ausgelassene Stimmung um den Brunnen am Marktplatz

Kreidestriche gegen den Klimawandel

Am 21. September beginnt „Week4Climate“, die „Woche fürs Klima“, initiiert von der Organisation „Fridays for Future“. Zum Auftakt gehen einen Tag zuvor, am 20. September, wieder Hunderttausende junge Menschen weltweit auf die Straßen, um für eine bessere, durchgreifende Klimapolitik zu demonstrieren. Deutschlandweit sind die Ortsgruppen im Einsatz, um hierfür Werbung zu machen – auch in Weinheim.

Rund 50 Jugendliche und junge Erwachsene versammeln sich am Dienstagmittag vor dem Alten Rathaus am Marktplatz. Die Organisatoren haben einen Sitzstreik angemeldet. Dabei geht es weniger ums Blockieren, sondern mehr darum, ein deutliches Zeichen zu setzen.

„Wir haben Straßenkreide für euch, und ihr könnt ein Plakat für die große Demonstration gestalten“, erklärt Mitveranstalterin Merle Wagner den Teilnehmern, die es sich rund um den Brunnen auf mitgebrachten Decken und Tüchern gemütlich gemacht haben. Aus einer mobilen Musikanlage dröhnt Musik, etwas später soll noch eine Liveband auftreten. Kundgebungen oder andere Redebeiträge werde es nicht geben, der Spaß stehe im Vordergrund, ergänzen die Veranstalter.

Eine von 400 Ortsgruppen

Die Motivation, etwas verändern zu wollen, hat sich seit der ersten Demonstration von Greta Thunberg am 20. August 2018 wie ein Lauffeuer verbreitet. Allein in Deutschland gibt es über 400 Ortsgruppen (Stand April 2019), deren Mitglieder an ihren Schulen, Universitäten und in Freundeskreisen weitere Mitstreiter mobilisieren. Dass die Aktionen nicht immer ausschließlich auf positive Resonanz stoßen, dürften die Aktivisten mittlerweile akzeptiert haben; sind es doch zudem meist dieselben Parolen, die ihnen vor allem in den sozialen Netzwerken entgegengebracht werden. Doch genauso wenig wie die negativ gestimmten Kommentatoren lassen sich die jungen Menschen von ihrer Überzeugung abbringen und treten weiter für den Klimaschutz ein.

So wie Emy Gerter, Christina Stark und Elena Fischer. Die drei Teenager haben schon zu dem Gesamtkunstwerk auf dem Marktplatz beigetragen und ihre Botschaften auf das Kopfsteinpflaster geschrieben. Zum Thema „Klimawandel“ haben alle eine klare Haltung: „Die Massentierhaltung in der Viehzucht ist mitverantwortlich, das finde ich ganz schlimm. Dazu kommt, dass die Tiere schlecht behandelt werden“, erklärt die 13-jährige Elena. Christina und Emy, beide 14 Jahre alt, finden, dass zu viel Plastik verwendet wird. Besonders schlimm seien die Müllinseln, die durch die Meere treiben. Die Schülerinnen haben nicht nur einen Teil des Problems erkannt, sondern auch Lösungsansätze parat: „Wenn das Flaschenpfand auf 75 Cent erhöht wird, würde vielleicht noch mehr recycelt“, sagt Emy.

Bei den Passanten, die zwischen 12 und 14 Uhr am unteren Marktplatz unterwegs sind, sorgt die Aktion für viel Aufsehen. Immer wieder bleiben die Menschen stehen, mustern die Gruppe und die bunten Bodenbilder. Manche winken fröhlich aus ihren vorbeifahrenden Autos, andere halten wenig von der Versammlung: Ein Lieferant will in seinen geparkten Van einsteigen, der unmittelbar neben den sitzenden Demonstranten steht. Anstatt einer Bitte gibt es nur einen scharfen Pfiff, der zum Weggehen auffordern soll. Aus der Ruhe bringen lässt sich davon aber keiner. Die Stimmung bleibt während der gesamten Demonstration friedlich.

Christina und Elena sind heute das erste Mal auf einer Veranstaltung von „Fridays for Future“ – und der Funke ist schon übergesprungen: „Wir finden cool, dass wir hier unsere Meinung auf den Boden schreiben können. Zu viele Menschen verdrängen den Klimawandel. Hiermit können wir sie darauf aufmerksam machen“, sagen die drei unisono. Ob sie auch am 20. September in Mannheim dabei sind? „Auf jeden Fall.“