Seite 1 - MM

Weinheim Gut 120 Teilnehmer ziehen bei der zweiten „Fridays For Future“-Demonstration durch die Innenstadt

Kritik auch am Gemeinderat

Archivartikel

Die anstehende Europawahl würde zur Klimawahl. Darin waren sich bereits am Freitag nicht nur all diejenigen einig, die einen Redebeitrag zur „Fridays For Future“-Demonstration in Weinheim leisteten. Gut 100 Schüler und Schülerinnen sowie rund 20 Erwachsene nahmen daran teil, ihre Forderung: Handeln, jetzt, bevor der Klimawandel nicht mehr zu stoppen ist.

Es ist kurz nach 11 Uhr, der Demonstrationszug setzt sich von der ehemaligen Uhlandschule aus über die Bahnhofstraße und die Fußgängerzone in Richtung Marktplatz in Bewegung. Merle Lotz gibt die Einpeitscherin, es folgen die bekannten Slogans wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ oder auch das Springen auf der Stelle, untermalt von den Sprechchören: „Wer nicht hüpft, der ist für Kohle.“

Ein früherer Ausstieg aus der Kohleenergie als gedacht könnte schon helfen, es wäre einer der nationalen Schritte, die auch global ein Zeichen setzen. „Eine Rückkehr zu Nationalismus macht dabei keinen Sinn“, schließlich teile sich Europa ein Ökosystem, gibt Frieda Fiedler zu bedenken. Sie spannt den Bogen zum Lokalen, prangert den aktuellen Beschluss des Weinheimer Gemeinderates zu dem geplanten Gewerbegebiet „Hintere Mult“ an. „Wie soll Europa das Klima retten, wenn wir im Kleinen die Umwelt vernichten?“, fragt sie unter dem Beifall der Demonstranten, aber auch der Zuschauer abseits des Demo-Zuges. Dazu passen die Worte von Laetitia Wessner aus Mörlenbach, wo am Sonntag ein Bürgerentscheid zu einem geplanten Gewerbegebiet anstand. „Wir alle tragen Verantwortung, um der Zerstörung des Planeten entgegenzutreten“, stellt Wessner fest und wird dabei unterstützt von Merle Lotz, die an alle Teilnehmer appelliert: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst.“Sie fordert daher alle auf, bewusst und vor allem nachhaltig zu leben. Die Redebeiträge werden immer wieder von Applaus unterbrochen und auch auf dem Weg durch die Innenstadt machen die Schülerinnen und Schüler mächtig Lärm.

Dass es dieses Mal deutlich weniger sind als die 500 Teilnehmer an der ersten „Fridays For Future“-Demo in Weinheim vor wenigen Wochen, ist übrigens nicht mit mangelndem Interesse zu erklären.

An vielen Schulen in und um Weinheim standen am Freitag unter anderem in der Oberstufe Klausuren an. Außerdem wurde erst sehr kurzfristig zu der Demonstration aufgerufen.