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Sachbuch Brian A. Catlos über die Muslime in Spanien

Kühle Pragmatiker

Archivartikel

Vom muslimischen Spanien geht bis heute eine große Strahlkraft aus. Wir verbinden damit eine einzigartige kulturelle Blüte, Toleranz und eine gelungene Multikulti-Gesellschaft. Doch stimmt das wirklich? Der amerikanische Religionswissenschaftler Brian A. Catlos hat jetzt eine neue Monografie zur achthundertjährigen arabischen Herrschaft in Spanien vorgelegt. Er lässt darin wenig Raum für platte Schwarz-Weiß-Darstellungen nach dem Muster: hier das aufgeklärte muslimische, dort das finstere katholische Spanien.

Verwirrende Konflikte

Tatsächlich war das vorherrschende Element auch auf arabischer Seite weniger Menschenfreundlichkeit als kühler Pragmatismus. Die Herrschenden zeigten sich gegenüber Andersgläubigen vor allem deshalb großzügig, weil sie von ihnen profitierten. Auch waren die Muslime nicht friedlicher als die Christen. Leider verliert sich der Autor allzu sehr in der Nacherzählung von Kriegen und verwirrenden dynastischen Konflikten. Kultur und Gesellschaft von al-Andalus werden allzu stiefmütterlich behandelt („al-Andalus. Geschichte des islamischen Spanien“. C.H. Beck Verlag. 491 Seiten, 29,95 Euro). dpa