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Im Test Audi hat mit dem neuen Q8 einen Alleskönner auf die Straße gebracht, der sich – obwohl er nicht so aussieht – beim Verbrauch moderat gibt

Limousinen-Coupé-SUV der Oberklasse

Archivartikel

Ingolstadt.Früher war alles anders. Da gab es Limousinen für die, die Platz brauchten, Mittelklasse- und Kleinwagen, für die, die nicht so viel Geld hatten – und ein paar Geländewagen als Begleiter von Förstern und Jägern. Allen gemein war, dass sie Schadstoffe ungefiltert in die Luft bliesen – und selbst ein Golf auch mal zehn Liter Benzin auf 100 Kilometer zu sich nahm. Heute bilden sich Mischformen aus verschiedensten Karosserievarianten zu außergewöhnlichen Fahrzeugen, die hohe Abgasnormen erfüllen und mit dem Sprit geizen.

Ein solcher Vertreter ist der Audi Q8. Ein gewaltiger Brocken, kürzer und niedriger als sein Schwestermodell Q7 – aber breiter. Ein Limousinen-Coupé-SUV der Oberklasse. Auf knapp drei Meter Radstand bietet es ein Raumangebot, wie man es tatsächlich von einem A8 erwartet hätte. Auf der Rückbank lässt es sich sehr gut aushalten, selbst, wenn die Fordersitze üppig zurückgefahren wurden. Dass sich noch ein stattliches Kofferraumfach öffnet, rundet die ganze Sache ab.

Der mächtige Kühlergrill steht aufrecht und betont in Kombination mit dem nach vorn gezogenen Spoiler und den großen, stark konturierten Lufteinlässen die neuen Audi-Gesichter. Die Dachlinie läuft flach über die rahmenlosen Seitenscheiben, in den Radhäusern verstecken sich beim Testwagen 285er Reifen.

Die Größe des Q8 tritt völlig in den Hintergrund, sobald man die ersten Meter in dem Fahrzeug hinter sich gebracht hat. Federleicht lässt sich der Q8 dirigieren. Eine echte Empfehlung ist die Allradlenkung (1150 Euro). Sie kann die Hinterräder bis zu fünf Grad einschlagen – gegensinnig bei niedrigem Tempo, um die Agilität zu steigern, gleichsinnig zugunsten der Stabilität bei hoher Geschwindigkeit. Vor allem beim Rangieren ist das ein Segen.

Hochwertige Verarbeitung

Das komfortable Reisen, die langen Distanzen – dafür ist der Q8 geschaffen: perfekte Sitze, die eine wunderbare Symbiose zwischen straff gefedert und sänftengleich bilden, die sehr hochwertige Verarbeitung und die erhabene Sitzposition. Leider trüben Windgeräusche – offensichtlich ausgelöst durch die rahmenlosen Scheiben – dieses Gesamtbild ein wenig. Eine beeindruckende Vorstellung liefert die optionale Luftfederung „adaptive air suspension“ (950 Euro) mit geregelter Dämpfung, die nicht nur sänftengleiches Gleiten oder sportlich straffe Kurvenfahrten ermöglicht, sondern die ganze Karosse auch um bis zu 90 Millimeter nach oben hebt – wenn Steine auf Feldwegen einmal den Unterboden gefährden könnten.

Im Gegensatz zu früheren Tests hat Audi dem Sechzylinder-Diesel beim Q8 fast seine Anfahrschwäche ausgetrieben. Dass bei 286 PS und 600 Newtonmetern an Kraft trotz eines Leergewichts von mehr als zwei Tonnen kein Mangel herrscht, ist klar. Schub in allen Bereichen – und dank des 48-Volt-Hauptbordnetzes wird durch Rückgewinnung von Bremsenergie ein Akku gespeist, der als sogenannter Mildhybrid knapp einen Liter Sprit auf 100 Kilometer sparen soll. Das Ergebnis: Rund sieben Liter Diesel auf den Testfahrten. Früher war eben vieles anders.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/auto

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