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Weinheim Störche sind zurück und zeigen Interesse am Horst beim Betriebshof des Gewässeramtes in der Feldflur

Meister Adebar ist gelandet

Archivartikel

Immer wenn die Zeit des Sommertagszuges allmählich naht, kehrt passenderweise auch der Storch von seinem „Winterausflug“ nach Weinheim zurück. Hobbyornithologe Dietmar Matt hat die Ankunft von Meister Adebar nicht verpasst.

Schon Ende Januar gab sich der große Vogel selbst in der Weinheimer Feldflur Landeerlaubnis. Zuerst war es ein Storchenmann, der den Horst am Betriebshof des Gewässeramtes zwischen den beiden Weschnitzarmen inspizierte. Offenbar fand er das bekannte Terrain und die Umgebung gut, denn nachdem auch Frau Storch eingetroffen war, hatte sie gegen ein zärtliches Stelldichein nichts einzuwenden. Nimmt die Natur ihren gewohnten Lauf, werden irgendwann im März Eier gelegt und gut vier Wochen lang ausgebrütet.

Sollte wieder Nachwuchs schlüpfen, wird Dietmar Matt zusammen mit Helmut Stein im Auftrag des Max-Planck-Instituts für Ornithologie im Juni die Beringung der Jungvögel im Nest vornehmen. In den vergangenen Jahren konnten sich Vogelfreunde regelmäßig über Zuwachs im Horst freuen. Helmut Stein und Dietmar Matt kontrollieren derzeit, ob auch die Horste in Laudenbach und Hemsbach sowie auf dem Golfplatz in Heddesheim und in Ladenburg-Neubotzheim besetzt werden.

Übrigens: Eine Anfrage bei Dr. Wolfgang Fiedler, Wissenschaftler am Max Planck Institut für Ornithologie, ergab die Auskunft, dass die Weißstorchbestände im Bereich der Westroute über Frankreich in Richtung Spanien – dazu zählen auch unsere Störche – zunehmen, während der Bestand der Störche der Ostroute abnimmt. Sie ziehen über die Türkei nach Ostafrika.

Die Störche handeln, wenn man es menschlich betrachtet, ökonomisch. Sie ersparen sich schon seit einigen Jahren auf der Westroute den weiten Flug über die Sahara bis zum Senegal, Mali, Gambia und Mauretanien. „Heute bleiben mehr Vögel in Spanien und Marokko“, erklärt Wolfgang Fiedler. Ein Positionspapier der Vogelwarten Helgoland, Hiddensee und Radolfzell bestätigt dies. In ihm ist von massiven Änderungen im Zugverhalten der Störche in den vergangenen gut vier Jahrzehnten die Rede.

Auch auf kürzeren Zugwegen sind Störche Gefahren ausgesetzt. Zum Beispiel schlecht konstruierte Strommasten versetzen Störchen tödliche Stromschläge. Gefahren durch Adler oder Unfälle mit Autos spielen keine größere Rolle. wn