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Weinheim Der Club der Pantoffelhelden löst die Vakanz-Situation der Rathausspitze mit Humor / Flotte Sitzung im närrischen 66. Jubiläumsjahr

Mit dem Amtsverweser im Dauerstau

Großbaustelle und das Warten auf den OB: Die Schlaglichter für die Kampagne im närrischen 66. Jubiläumsjahr wurden dem Club der Pantoffelhelden auf dem Silbertablett serviert. Und sie garnieren sie wieder mit Ideen, Kostümen und Bühnenbild in ihrer Show, die längst zu ihrem Markenzeichen geworden ist.

Cool wie der CdP das juristische Störfeuer von Fridi Miller löscht. Ehe sich der Vorhang zum Singspiel öffnet, verlangt Simone Schneider in der Rolle der Dauerprotestlerin von Sitzungspräsident Werner Wolf Büttenrecht. Ihre gesammelten Unterschriften sind von „Vernemer“ und „Ourewäller“ – also ungültig. Ihr Versuch, die Sitzung juristisch zu stoppen, hat prompt Folgen. Unter Beifall des Publikums wird sie von zwei Elferräten aus dem Saal getragen. Der Spaß kann beginnen:

Er beginnt im Rathaus, wo der glampfende Interims-OB Torsten Fetzner leibhaftig auf seinen Vorgänger (Matthias Roth) und dessen Nachfolger (Patrick Weber) trifft. „Wir sind beim Regieren auch ungefragt dabei“, setzen die Double von Heiner Bernhard und Manuel Just dem echten Fetzner kurz zu, ehe sich die Situation schlagartig wandelt, denn der CdP setzt noch einen drauf und zaubert den „Amtsverweser“ aus dem Ärmel. Den aus der Gruft entstiegenen Grafen von Berckheim spielt Sven Natter mit Gehstock und Zylinder vorzüglich. Er erlaubt Konzerte im Schlosspark und bringt eine Schatzkarte ins Spiel. Die Suche führt über die Mannheimer Straße bis zur Windeck. Im Dauerstau singen die Pantoffelhelden „Heit gehn mer wieder gar net mer hoam“. Die Kölner lassen ihren Dom in Kölle, der CdP singt: „Mer lasse die Windeck in Woinem.“ Doch das Verhängnis nimmt seinen Lauf. „Diese Burg macht mir Probleme“, singt Bernhard zur Melodie von Mackie Messer und lässt sich aufs Glatteis führen – von wem, wird nicht verraten.

Marktplatzweiber im Beichtstuhl

Überrascht hat indessen bei der Premierensitzung am Samstagabend nicht, dass neben dem Singspiel Christian Bähr als Deutscher Michel wieder besondere Akzente setzte. Der messerscharf analysierende Beobachter verteidigte das St.-Martin-Fest gegen den Begriff Lichterfest und meinte zur Wahl der CDU-Vorsitzenden: „Merz dachte, er wär schlauer – jetzt ist er Annegrets Karren Bauer.“ Und zu den 25 Probanden für Abgas-Untersuchungen: „Ich weiß, wer die waren. Die sind nach Russland zur WM gefahren.“ Am Ende sein Appell: „So kann es net weitergehn, die Welt muss wieder zusammenstehn.“

Das tun auf ganz eigene Weise die drei Marktplatzweiber Carolin Schneegaß, Simone Schneider und Daniela Wolf. Dieses Jahr treffen sie sich in einem Beichtstuhl, wo ihnen natürlich nichts heilig ist bei Zoten über Bestattungsreden, Kochrezepten oder sexuellen Aktivitäten. Amouröse Themen beschäftigen zwar auch Patrick Weber in der Bütt, doch der Dauerstudent hat vor allem wegen der Woinemer Verkehrsprobleme und permanenter Wohnungssuche einfach keine Zeit zum Studieren. Auch er bringt bei seiner Premieren-Bütt am Ende Heiner Bernhard und die Windeck als Wohnquartier ins Spiel. Der Dauerstudent erfüllt sich einen Traum, die lila Fee Lola (Hansjörg Korward) schafft das leider in den wenigsten Fällen, auch wenn sie zu Seehofer, Theresa May oder Trumps Mauerbauplänen immer ein Lied auf den Lippen hat. m die Zähne dreht sich vieles beim arbeitssuchenden Hoiner Double Matthias Roth. Der „Master of Double“ erklärt den Unterschied zwischen gebrauchten Dritten aus dem Altersheim oder von E-Bay, bringt mit einem Intelligenztest sein Publikum zum Rasen, und schließt mit einem Volltreffer beim Warmbadetag. Dabei wird auch das Rathaus-Dreigestirn nochmal nass.