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Literatur Debütroman erscheint in neuer Übersetzung

Mit „Typee“ begann Melvilles Karriere

Beim Namen Herman Melville denken die meisten zu allererst an den Romanklassiker „Moby Dick“, der am Beispiel einer Walfangtour philosophische Erkenntnisse und Spekulationen erörterte. Als der Roman 1851 erschien, wurde er von den meisten Lesern abgelehnt. Zu weit hatte sich Melville offenbar von dem Bild entfernt, das er mit seinem ersten Roman „Typee“ begründet hatte. Vor 200 Jahren, am 1. August 1819 in New York geboren, lernte Melville die Seefahrt als Matrose auf einem Walfangschiff kennen, bis er sich 1842 gemeinsam mit einem anderen Matrosen auf eine Insel in der Südsee absetzte.

Gestrichene Passagen enthalten

In die USA zurückgekehrt, verarbeitete er seine Erfahrungen in dem Roman „Typee“, der 1845 zu einem großen Erfolg wurde. Mittlerweile ist klar, dass Melville viele der Episoden um die beiden Amerikaner im vermeintlichen Südsee-Paradies und die dort lebenden Kannibalen aus dramaturgischen Gründen stark bearbeitet oder sich sogar ganz ausgedacht hatte.

Aber die Geschichte passte bestens in eine Zeit, die die Natur von vielen Amerikanern als durch und durch gut angesehen wurde. Melville überarbeitete die Originalfassung von „Typee“, da manche Aussagen den Kirchen als zu zivilisationskritisch erschienen.

Die von dem österreichischen Schriftsteller und Übersetzer Alexander Pechmann für den mare Verlag erstellte Neuübersetzung enthält auch jene Passagen, die in späteren Auflagen aus dem Originaltext gestrichen worden waren. „Typee“ zeigt Herman Melville ganz am Beginn einer Schriftstellerkarriere, die ihn zu einem der bedeutendsten Autoren des Landes werden lassen sollte. Dieser Status wurde ihm allerdings erst nach der Wiederentdeckung seiner Romane nach seinem 100. Geburtstag zuerkannt. In den Jahrzehnten vor seinem Tod 1891 sah sich Herman Melville als gescheitert an.