Seite 1 - MM

Im Test Beim amerikanischen Cadillac Escalade ist alles überdurchschnittlich: die Länge, die Breite, die Höhe, der Luxus, der Preis und der Verbrauch

Mobilität im Übermaß

Archivartikel

Darmstadt.Groß, größer, Cadillac Escalade. Das Superlativ fährt ein US-SUV (Sport Utility Vehicle) ein, das mit Größe und Luxus nur so klotzt. Der Amerikaner streckt sich in der kleinen Variante auf 5,18 Meter, in der langen (ESV) sind es schier unglaubliche 5,70 Meter. Die Breite erreicht bei beiden inklusive Spiegel 2,27 Meter, ohne knapp mehr als zwei Meter. Die Höhe nimmt knapp 1,90 Meter ein. Das sind Maße, bei der jede Parkplatzsuche zur Herausforderung gerät. Zumindest in deutschen Städten. Denn hier sind die Stellplätze in der Regel nicht länger als fünf Meter und nicht breiter als 2,30 Meter.

Der Fahrer thront

Im Escalade thront der Fahrer zwar, doch er fährt zumindest mit gemischten Gefühlen in die Stadt. Schweiß treibt es ihm gar auf die Stirn bei der Einfahrt in Tiefgaragen. Das Parkhaus am Mannheimer Hauptbahnhof haben wir bei unseren Testfahrten aus Angst vor Kontakt mit der Decke vermieden. Die Einfahrtshöhe liegt bei 1,90 Meter, exakt vier Millimeter liegen wir mit dem Escalade unter dieser Marke. Irgendwie scheint das mächtige Modell nicht für deutsche Straßen gebaut. Kein Wunder also, dass der Maxi-Cadillac in unserem Land ein Nischendasein fristet.

Über dem großen Teich sieht das völlig anders aus. Hier ist der Escalade der Inbegriff des Luxus und wird gern von US-Rappern, Profisportlern oder dem Security-Personal von US-Präsident Donald Trump gesteuert. Oder die Erfolgreichen lassen sich fahren. Und da der Benzinpreis in den USA mindestens ein Drittel unter dem in Deutschland liegt, fällt auch der immense Verbrauch nicht so ins Gewicht. Laut Werksangaben verbrennt der Escalade 17,1 Liter Benzin pro 100 Kilometern innerorts. Bei städtischem Einsatz und Kurzstrecken haben wir fast die 20-Liter-Marke erreicht. Wir räumen ein: Dieser Verbrauch belastet unser Gewissen. Umwelt- und sozialverträglich geht wirklich anders.

Dennoch ist die Fahrt im Escalade ein Erlebnis. Am Anfang steht da zunächst einmal die Einstiegshilfe. Trittbretter fahren aus. Damit gelingt der problemlose Zustieg ins Innere. Hier verbreiten sorgsam verarbeitete Premium-Materialien und Dekorelemente aus Holz ein luxuriöses Ambiente. Auf noblen Sitzen nehmen die Insassen Platz. Man fühlt sich wie in einer Lounge, egal ob vorne, in der zweiten oder dritten Reihe. Bis zu acht Personen bietet der Escalade fürstliche Platzverhältnisse. Auch wenn die dritte Sitzreihe steht, passt noch Gepäck in einem Volumen von 431 Litern in das US-Fahrzeug. Auf bis zu 2668 Liter Fassungsvermögen lässt sich das Fach per Knopfdruck vergrößern.

Angetrieben wird der Escalade von einem bärenstarken 6.2 Liter V8 Benzinmotor mit Direkteinspritzung. Der Achtzylinder entwickelt 426 PS. Das Aggregat, das kaum zu hören ist, schiebt den 2,7-Tonner in 6,7 Sekunden auf die 100-Kilometer-Marke. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h. Der mächtige Cadillac ist mehr Gleiter als Raser. Das komfortabel abgestimmte Fahrwerk bügelt alle Unebenheiten weg. Butterweich schaltet das Achtgang-Automatikgetriebe. Das gesamte Paket trägt denn auch zur Entschleunigung bei.

Als Pulsbeschleuniger taugt dann wieder der Preis. Für den Cadillac Escalade müssen nämlich schon für das Basismodell mehr als 100 000 Euro bezahlt werden. Auch ein Grund für den seltenen Auftritt.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/auto

Zum Thema