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Roman Madeline Miller widmet sich wieder der Antike

Mythos des Odysseus

Eigentlich hätte Circe als Tochter des griechischen Sonnengottes Helios eine blendende Zukunft vor sich. Bekannt wird sie im antiken Mythos allerdings als Unheilsbringerin: Odysseus behält sie als Geliebten für ein Jahr auf ihrer Insel, bevor dieser seinen abenteuerlichen Heimweg nach Ithaka fortsetzt.

Die US-Autorin Madeline Miller nähert sich in ihrem nun auf Deutsch erschienenen Roman „Ich bin Circe“ der vermeintlich unheilvollen Zauberin, die mit ihrem rebellischen Temperament eher Menschen denn Göttern gleicht. Weil Circe die verbotene Kraft der Hexerei betreibt (von ihr stammt das Wort „bezirzen“), wird sie verstoßen.

Feministische Perspektive

Zorn zieht sie außerdem auf sich, weil sie Medea nach dem Diebstahl des Goldenen Vlieses zur Flucht verhilft und dem verstoßenen Feuerbringer Prometheus nahesteht. Während in Millers Vorgänger-Roman „Das Lied des Achill“ dessen junger Geliebter Patroklos die „Ilias“ von Homer aus queerer Sicht erzählt, nimmt die 41-Jährige diesmal eine feministische Perspektive ein. Der Drang nach Unabhängigkeit führt Circe in die Einsamkeit. Bei Miller ist sie zugleich Strippenziehrin und Unterworfene des eigenen Schicksals. Die Geliebten (neben Odysseus auch Götterbote Hermes) sind diesmal Teil ihrer eigenen Geschichte – und nicht anders herum.

Die Autorin macht aus der Gestalt, die im antiken Mythos eher Machtobjekt des Mannes denn selbstständige Heldin ist, eine faszinierende Figur des eigenen Willens –vielleicht etwas eindimensional, aber dafür umso kraftvoller. dpa